Gespielt: Feuer frei!

Lese Zeit: 7 Minuten

Ein nostalgischer Tripp in die frühen 80er Jahre mit einem Kartenspiel, das die Gehirnwindungen heiß laufen lässt.

Nostalgie

Ich erinnere mich dunkel, dass ich als Kind auf dem Schulweg immer an einer kleinen Kneipe vorbeigekommen bin, in der drei Tische und ein Tresen Platz hatten. Die Tür war immer offen, und direkt neben dem Eingang stand eines Tages dieser Video-Spielautomat: riesengroß und mit farbiger Grafik.

Ein Spiel (1 Leben) kostete damals 5 Schilling, drei Spiele gabs für 10 Schilling, einzuwerfen in Münzform. Ich selbst war noch keine 10 Jahre alt.

Irgendwann war ich wohl mit einem Schulfreund nach dem Unterricht in diese Spelunke geschlichen – inklusive schlechtem Gewissen, denn ich hatte in einer Spelunke grundsätzlich noch nichts zu suchen. Ich beobachtete meinen Freund fasziniert, wie er mit einem kleinen Raumschiff auf dem Bildschirm reihenweise angreifende Aliens vernichtete – bis zu seinem eigenen Untergang. Und dann wieder von vorne, für erneut 5 Schilling.

Die Herausforderung war offensichtlich nicht zu sterben, oder zumindest möglichst lang am Leben zu bleiben und schließlich einen Highscore zu erreichen, den man dann in der Bestenliste der Spielkonsole eintragen konnte:

Drei Buchstaben und eine Zahl für die Ewigkeit!

Ich glaube, das war damals meine Einstiegsdroge in die Welt der Computerspiele.

Ich hatte von nun an die die Wahl mir nach der Schule für ein paar Schilling von der Oma ein Eis zu kaufen, oder Aliens zu bekämpfen. Ich entschied mich (mit schlechtem Gewissen aber auch einer Menge Vergnügen) immer wieder dafür, lieber den Joystick und die Tasten der Konsole zu malträtieren.

Ob ich jemals einen bedeutenden Highscore erreicht habe, kann ich mich heute leider nicht mehr erinnern.

Das Spiel

Feuer Frei! ist ein Spiel für ein bis zwei Personen, das in 9 Levels gespielt wird.

Dabei unterscheidet sich der Solo-Modus kaum vom Team-Modus, in dem man gemeinsam auf die Angreifer ballert. Das gesamte Spiel besteht ausschließlich aus Karten, es ist einfach zu lernen und knifflig zu meistern.

Beim Spielaufbau folgt man der Anordnung, die auf der aktuellen Level-Karte angegeben ist. Die Aliens werden mit der grünen Zahl nach unten wie angezeigt ausgelegt, darunter kommen die Raumschiffe, die vom Spieler / von den Spielern bedient werden.

Ziel ist es, die Aliens zu zerstören, in dem man ihnen Schaden in der Höhe der angezeigten Zahl am unteren Rand der Karte zufügt. Dann wird die Karte im Uhrzeigersinn weiter dreht, und die neue Zahl ist jene, die benötigt wird, um die Karte wieder weiter zu drehen; das ganze geschieht viermal, dann ist das Alien zerstört und verlässt das Spiel / wird auf seine Rückseite gedreht.

Die Spieler bedienen ihre Raumschiffe, indem sie sie mit Batterien aufladen, um Schüsse abzufeuern. Dabei kommt jetzt eine Menge Kopfrechnen ins Spiel, Schießen und Schaden zufügen funktioniert folgendermaßen:

Vom verdeckten Nachziehstapel werden die Batterien der Reihe nach gezogen und wahlweise an eines der Raumschiffe angelegt. Ziel ist es, die Summe der Zahlen so weit wie möglich über Zehn zu treiben. Ist die Summe der Batterieladungen von Zehn nämlich erreicht, schießt das Raumschiff auf eines der Aliens (nach Wahl des Spielers).

Die Stärke des Schusses errechnet sich nun folgendermaßen: Wie hoch ÜBER zehn die Ladung des Schiffes war, multipliziert mit der Anzahl der Fadenkreuze auf den Batteriekarten (Anzahl der verwendeten Batterien).

Schaden = (Gesamtladung – 10) x Anzahl der Fadenkreuze

Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass man nur eine begrenzte Anzahl von Batterien mit unterschiedlichen Ladungen zur Verfügung hat. Im ersten Level (10%) sind das: 1x 5, 2x 4, 3x 3, 4x 2 und 5×1.

Die Batterien auf Level 1 (10 %)

Da sich die Schüsse ab einer Ladung von 10 lösen, ist die maximale Zahl, die man erreichen kann die 14 (9+5). Der oben genannten Formel zufolge ergibt das einen maximalen Multiplikator von 4 auf der einen Seite (14-10=4), und wie stark der Schuss letztlich wird, ergibt sich aus der Anzahl der Batterien, die man für diese Ladung eingesetzt hat auf der anderen Seite.

Man versucht also sinnvoller Weise die Raumschiffe mit so vielen kleinen Batterien (1 oder 2) wie möglich aufzuladen, um knapp an die 10 heranzukommen, um dann mit einer möglichst großen Batterie (4 oder 5) auf einmal weit über die 10 hinauszukommen.

Auf diese Weise maximiert man die Multiplikatoren und damit den Schaden, den man den Aliens zufügen kann.

Das allein aber wäre ja einfach.

Nach jedem abgegebenen Schuss – ob erfolgreich oder nicht – wird eine der Batterien als aufgebraucht aus der Partie entfernt, der Rest kommt auf den Ablagestapel. Ist der Nachziehstapel zu Ende, wird dieser zum neuen Nachziehstapel gemischt.

Es werden also im Laufe des Spiels die Batterien immer weniger, die man zur Verfügung hat, und damit auch die Möglichkeiten, hohe Punktschäden an den Aliens anzurichten.

Sind alle Aliens vernichtet (also alle jeweils viermal gedreht und damit auf Null reduziert), gewinnen die Spieler das aktuelle Level und dürfen im Regelheft auf die nächste Seite blättern und die Karte fürs nächste Level umdrehen. Sie haben das nächste Level freigeschaltet und erhalten eventuell besondere Boni, oder auch neue Gegner.

Durch den Sieg wird das nächste Level freigeschaltet!

Können die Spieler hingegen nicht mehr schießen, weil sie mit ihren Batterie-Ladungen nicht mehr über die 10 kommen, und es befinden sich noch Aliens auf dem Spielfeld, endet das Spiel und die Spieler haben verloren.

Solo / Team-Modus

Ich habe das Spiel bisher nur im Solo-Modus gespielt, der Team-Modus funktioniert aber im Grunde genauso. Interaktion ergibt sich dabei aus dem Finden der optimalen Strategie – an welches seiner Raumschiffe man die gezogenen Karten am besten anlegt – und einem im Team-Modus verfügbaren Energie-Tauscher, der es den Spielern erlaubt, einander bis zu einem gewissen Grad aus der mathematischen Klemme zu helfen.

Wie bei allen Spielen, wird die Spieldauer durch diese Interaktion im Team-Modus natürlich verlängert, was aber nicht gravierend ins Gewicht fallen dürfte. Das Spiel läuft sehr schnell, eine Partie spielt sich in unter 30 Minuten.

Mathe vs. Thema

Die Stärke des Spiels ist wohl zugleich seine Schwäche: Ohne Kopfrechnen geht hier gar nichts.

Jeder einzelne Schuss muss berechnet und optimiert werden, damit den Raumschiffen nicht der Saft ausgeht und man von den Aliens überrannt wird. Jede aufgedeckte Karte wird hinzu addiert, und wenn eine Schuss abgegeben wird, muss errechnet werden, wie die Energie sinnvoll auf die Aliens zu verteilen ist. Diese Entscheidungen sind ein essentieller Schlüssel um dieses Spiel schlagen zu können.

Mit dem hirnlosen Eindreschen auf Joystick und Tasten an der Spielkonsole hat dieses Spiel eigentlich gar nichts zu tun. Vielmehr ist es wohl etwas für Liebhaber von Zahlenrätseln a lá Sudoku.

Die unterschiedlichen Werte der Aliens – wie viel Schaden sie einstecken können – erinnert schon eher an das Vorbild Space Invaders.

Wirklich lustig und ausgezeichnet gelungen ist aber die Ausgestaltung der progressiv immer schwieriger werdenden Levels, durch die man sich spielt. Das Balancing funktioniert ausgezeichnet, und auch thematisch ist das Aufleveln perfekt umgesetzt. Die Aliens werden immer stärker und kniffliger, aber auch die eigenen Raumschiffe erhalten Upgrades, um mit dem steigenden Schwierigkeitsgrad mithalten zu können.

Und wie auch schon das Konsolenspiel ist auch dieses kleine Kartenspiel trotz seiner vordergründigen Schlichtheit alles andere als einfach zu meistern. Wer seine Schritte nicht genau überlegt und optimiert, hat keine Chance.

Mir persönlich hat´s gefallen, denn ich verbeiße mich gern auch mal in knifflige Probleme und stecke Zeit und etliche Wiederholungen in eine mögliche Lösung. Und allzu oft muss man sich nun auch wieder nicht plagen, wenn man sich nur etwas anstrengt. Aber das ist sicher nicht jedermanns Sache.

Insofern ist das Spiel also nicht für jeden. Wer ein leichtes Casualgame sucht, bei dem man sich einfach die Zeit vertreibt und die Hirnwindungen baumeln lassen kann, der sollte vielleicht lieber die Finger von diesem Grütze-Burner lassen.

Eine Empfehlung gibt’s aber auf jeden Fall für Kreuzworträtsler und Kopfrechenasse, für Tüftler und Problemsolver. Die können nach Herzenslust rufen:

Feuer frei!


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