Base-Gestaltung 1: Grundgedanken

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Miniaturen kommen eigentlich immer mit Bases daher, egal ob sie in Miniaturen-Brettspiele oder in Mini-Wargames verwendet werden.

Das hat erst einmal den simplen Grund, dass sie ohne Bases wahrscheinlich meist einfach umfallen würden.

Doch Bases erfüllen auch noch einen weiteren Zweck, nämlich den einer gewissen „Standardisierung“ der sehr unterschiedlich geformten Figuren im Spiel.

 (Das deutsche Wort „Basen“ will mir nicht über die Lippen kommen, tut mir Leid; ich bleibe bei Bases…)

Einheitlichkeit

Tabletop-Miniaturen und Spielfiguren gibt es in den verschiedensten Ausführungen und Arten, auch kommen je nach Spiel unterschiedliche Materialien bei der Herstellung zum Einsatz.

Die Bases aber sind in den einzelnen Spielen so gut wie immer einheitlich, zumindest was ihre Größe anbelangt.

So gibt es etwa bei Descent die normale Base-Größe, welche Helden und normale Monster kennzeichnet: Sie nehmen auf dem Spielplan immer genau ein Feld ein. Dann gibt es aber Monster mit länglichen Bases, die 2 Felder besetzten, große runde Bases, die 4 Felder besetzen, und schließlich die riesigen Bossgegner, die gleich 6 Felder belegen.

Analog (mit genau denselben Größen) arbeitet auch Imperial Assault. Aber auch die Spiele anderer Hersteller verwenden für ihre Spiele immer die gleichen Base-Größen.

Auch Wargames wie Warhammer 40k, Warmachine / Hordes, Malifaux oder Infinity verwenden für ihre Figuren ein einheitliches Base-Set.

Das ermöglicht es bei sowohl Brettspielen als auch Tabletop-Spielen, die mit Maßband auf einer Spielplatte gespielt werden, ein Regelwerk festzuschreiben, in dem Abstände und Bewegungen der Figuren klar definiert werden können.

Zum Beispiel bedeutet „B2B“ – „Base to Base“ in Tabletop-Wargames, dass sich die Bases zweier Miniaturen direkt berühren: Meist sind sie dann „im Nahkampf“ oder ähnliches.

In Brettspielen bewegen sich die Figuren immer eine gewisse Anzahl von Feldern weit und können unter Umständen nicht über Felder ziehen, die von anderen besetzt sind: Einheitliche Base-Größen erleichtern hier deutlich die Orientierung im Spiel, und es gibt zusätzlich klare Regeln, wie mit Figuren verfahren wird, die mehr als ein Feld einnehmen.

Warhammer 40k: Tyraniden Symbionten vs. Chaos Space Marines in B2B

Soweit erst mal ein paar Gedanken zu den spieltechnischen Aufgaben der Bases.

Wer seine Miniaturen nun auch noch anmalt, damit sie auf dem Spieltisch mehr hermachen, der darf sich auch entscheiden, wie er seine Bases gestalten will.

2 Faustregeln zur Optik

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, Miniaturen-Bases zu gestalten. Ob aufwendig oder einfach, Ziel sollte dabei immer sein der Miniatur zu noch mehr Geltung zu verhelfen.

Insofern kann man sich als Faustregel erst einmal merken:

1. Die Base sollte vom Effekt her immer ein wenig in den Hintergrund treten, sie sollte die Figur also nicht überstrahlen. Das gilt sowohl in Bezug auf die Farbgebung als auch in Bezug auf die Oberflächengestaltung.

Die zweite Faustregel betrifft dann die Farbwahl und Intensität der gewählten Farbe:

2. Auch hier sollte die Base nicht von der Miniatur ablenken, sondern deren Wirkung verstärken. Erreicht wird dies durch einen möglichst hohen Farb-Kontrast zur Figur, bei gleichzeitig etwas geminderter Intensität.

Was meine ich damit?

Sind die Farben der Miniatur sehr kräftig und leuchtend aufgetragen, dann kann auch die Base schon mal etwas kräftiger ausfallen. Ist die Figur ein einem eher dumpfen Farbschema gehalten, sollte der Boden, auf dem sie steht, wirklich neutral sein, da er sonst leicht von der Figur ablenkt.

Shadows of Brimstone – Derelict Ship

Thematik

Abgesehen von diesen beiden grundsätzlichen Faustregeln sollten die Bases zuallererst zum Spiel passen.

Ein SciFi-Spiel (Blackstone Fortress) verträgt zum Beispiel häufig metallische Oberflächen, Rohre oder sonstiges Technik-Zeug, metallische Farben und ab und an auch Neon-Effekte.

Für ein High-Fantasy-Spiel wie Descent funktionieren erdige Töne, oder Oberflächen, die zu einem Verließ oder einem Thronsaal passen könnten.

Und der wilde Westen etwa zeichnet sich durch trockene Erde und Staub aus (Shadows of Brimstone).

Für meine Tabletop Armeen habe ich versucht, mir jeweils ein Setting auszudenken, in dem sie glaubhaft agieren würden, und gleichzeitig gut zur Geltung kommen.

Warhammer 40k:

Das erdige Braun von Schlamm und Matsch, durch den die Ultramarines stapfen, hebt sich gut von deren blauen Rüstungen ab.

Die Aeldari düsen mit ihren Jetbikes über den Wüstensand einer unfreundlichen Welt.

Die Chaos-Spacemarines verseuchen allein durch ihre Präsenz den Boden, auf dem sie sich bewegen.

Und meine Tyraniden sind in eine Stadt eingefallen: Sie stapfen durch die Trümmer einer urbanen Welt.

Ultramarines – braune Bases: Matsch in der Schneeschmelze

Meine Warmachine-Bases sind zum Teil richtig aufwendig geworden:

Khador ist von der Geschichte her winterlich orientiert, entsprechend sind die Bases mit Schnee überdeckt.

Die Convergenz von Cyriss bewegt sich durch frühlingshaftes Gelände – ein starker Kontrast zum Stahl, der die Figuren dominiert.

Und Cryx, die bösen im Spiel, stapfen durch Sumpflandschaften. (Hier habe ich mehr auf den Gesamteindruck gesetzt, als dass ich auf den Kontrast geachtet hätte.)

Ein paar Überlegungen, bevor man loslegt

Die Entscheidung, wie man seine Bases gestalten will, sollte gut überlegt sein. Schließlich sollte man das Schema dann für das jeweilige Spiel oder zumindest die jeweilige Fraktion durchgehend beibehalten, um die Armee oder Gruppe auch optisch zu einer Einheit zu verbinden.

Das bedeutet, dass man das gewählte Schema wahrscheinlich auch in Zukunft wiederholen wird.

Wie viel Aufwand möchte ich tatsächlich betreiben? Genügt vielleicht eine einfach bemalte Base? Brauche ich Bodenstruktur? Oder will ich gar kleine Gegenstände einbauen, die auf jeder Base eine eigene Geschichte erzählen?

Je komplexer eine Base gestaltet wird, desto mehr Zeit nimmt die Gestaltung dann auch in Anspruch.

Für große Mengen an Minis bietet es sich vielleicht an, nur mit Farben eine gewisse Struktur zu suggerieren. Für Zombicide habe ich etwa Bodenplatten aufgemalt, mit drei verschiedenen Farben, und die Fugen mit einer vierten ebenfalls gemalt. Die Wash, mit der ich zuletzt alle Minis überzogen habe, um Tiefe zu erzeugen, hat auf den Bases für den passenden, schmutzigen Look gesorgt.

Bei Descent wollte ich den Aufwand geringhalten, aber dennoch ein wenig Bodenstruktur einbringen: Die Effektfarbe Agrellan Earth von Citadel eignet sich hervorragend, da beim Trocknen natürliche Risse entstehen. Die Base habe ich anschließend übermalt und trocken gebürstet.

Für Shadows of Brimstone investiere ich nach wie vor relativ viel Zeit in die Bases. Es gibt meist auch genug Platz dafür, da deren Durchmesser relativ großzügig bemessen ist. Vor allem auf den großen Bases im Spiel kann man sich herrlich austoben und beinahe kleine Dioramen gestalten.

Shadows of Brimstone – Hellvermin

Rahmen

Zuletzt sollte man sich überlegen, wie der Rand der Base bemalt werden soll. Denn erst, wenn dieser sauber wirkt, hat die Miniatur einen Abschluss, einen Rahmen. Erst mit einem schönen Base-Rand wirkt die Miniatur wirklich „fertig“ bemalt.

Am einfachsten und effektivsten ist es hier meist, einfach schwarze Farbe zu wählen. Diese unnatürlich harte Farbe wirkt für die Base wie ein Bilderrahmen, der sie von der Umgebung abgrenzt.

Neutralere Farben, oder eine Weiterführung der Farbe, die für die Base selbst gewählt wurde, ist natürlich auch möglich. Das sorgt dann eher für einen organischen Eindruck, die Base geht natürlich in ihren Rand über.

Im Grunde ist hier – genau wie beim Bemalen von Minis – alles eine Frage des Geschmacks. In jedem Fall aber lohnt es sich, zumindest ein wenig Zeit zu investieren.

Und über Materialien und Techniken, wie wir verschiedene Effekte erreichen können, reden wir dann beim nächsten Mal… Bis dahin: Frohes Basteln und schönes Spiel!


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