Base-Gestaltung 2: Strukturen

Storm Talon Base WIP
Lese Zeit: 7 Minuten

Eine ansprechende Base kann die Wirkung einer bemalten Miniatur enorm unterstützen. Und eine ganze Armee, die auf einheitlichen Bases daherkommt, ist ein toller Anblick!

Ein paar Anregungen und grundlegende Gedanken zum Thema findet ihr im letzten Beitrag zur Basegestaltung:

Base-Gestaltung 1: Grundgedanken

Heute geht´s konkret um Materialien und darum, wie man ab besten vorgeht, um schöne Ergebnisse zu erzielen.

Warhammer 40k – Tyraniden Gargoyls mit aufwendigen Bases

Zusammensetzung

Um Struktur auf die Bases zu bringen, eignen sich am besten Strukturpasten. Davon gibt es von verschiedenen Herstellern jeweils eine ganze Menge.

Die meisten Pasten bestehen zum einen aus einer gewissen Menge an Granulat einerseits und einem Anteil an Acrylfarbe andererseits.

Die Acrylfarbe sorgt dafür, dass die aufgetragene Struktur gleich mal eine Grundfarbe hat. Dieser Farbton ist aber nur bedingt von Bedeutung, da die getrocknete Grundstruktur ohnehin in mehreren Schichten bemalt wird. Diese Farbe dient also eher als Grundierung. Ein bereits passend gewählter Farbton kann uns natürlich trotzdem ab und an einen späteren Arbeitsschritt ersparen.

Außerdem aber dient die Farbe als Bindemittel, denn ist sie erst einmal trocken, hält auch das Granulat auf der Base bombenfest.

Beim Granulat wiederum gibt es unterschiedliche Stärken: Je feiner die Körnung ausfällt, desto diffiziler wirkt das Endergebnis. Ist das Granulat zu fein, kann es allerdings sein, dass eine wichtige Bemaltechnik für die Basegestaltung – nämlich das Trockenbürsten / Drybrushing – nicht mehr richtig funktioniert.

Bei den Pasten, die direkt für den Modellbau entwickelt wurden, stellt sich dieses Problem allerdings kaum, es tritt eher auf bei Produkten aus dem Künstlerbedarf oder dem Baumarkt. (Für Sparer stellen diese Quellen dennoch immer eine Alternative dar, vor allem, wenn große Mengen an Minis gestaltet werden sollen.)

Es existiert eine ganze Reihe von Pasten für den Modellbaubereich

Manche Pasten bilden auch Spezialeffekte aus, allen voran sein der sogenannte Crackling- / Risse-Effekt genannt.

Es gibt dazu ein Medium, das man einer Farbpaste – oder auch einfach nur der Acrylfarbe selbst – beimengen kann, um den Effekt zu erzeugen. Für Bases würde ich aber auf jeden Fall die bereits vorgefertigten Pasten verwenden: Hier stimmt das Mischverhältnis bereits und der Effekt gelingt sicher.

Beim Trocknen zieht sich diese Paste sehr schnell zusammen, es entstehen die gewünschten, markanten Risse auf der Oberfläche. Je dicker die Farbschicht aufgetragen wird, desto größer fallen diese Risse aus. Eine Dicke von 1 bis 2 Millimeter im Auftrag ist zu empfehlen; dickere Schichten sollte man vermeiden, denn dann kann es vorkommen, dass die getrocknete Farbe in kleinen Blöcken von der Base abbröckelt und unschöne Lücken hinterlässt.

Agrellan Earth / Crackle Medium auf Descent-Bases

Wird eine Strukturpaste zum ersten Mal verwendet, sollte immer zuerst eine kleine Menge auf einem Stück Plastik ausprobiert werden. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie sich das Material tatsächlich verhält und wie das Ergebnis auf den Bases schließlich wirken wird.

Die Paste auf die Bases

Das Auftragen der Strukturpasten erfolgt am besten mit einem kleinen Spatel.

Dieses Werkzeug findet man im Hobby-Laden, oder aber auf dem Flohmarkt: Wenn man etwas Glück hat, verkauft jemand gerade einen Satz Zahnarzt-Werkzeug oder etwas ähnliches! Dieses eignet sich hervorragend für unser Hobby!

Mit dem Spatel wird die Paste aus dem Pott auf die Base gepappt – simpel und effektiv.

Dann aber sollte man einen alten, mittleren Pinsel bereit haben, um die Paste auf der Base zu verteilen. Mit dem Pinsel schiebt und tupft man die zähe Masse dann so lange zurecht, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Schließlich muss man etwas warten, denn je nach Dicken und Raumtemperatur kann es einige Stunden dauern, bis das die Struktur vollständig ausgehärtet ist.

Bemalung

Ist die Paste dann wirklich hart, kann sie nach Belieben bemalt werden – genau wie die Minis selbst.

Am effektivsten ist es dabei, in drei Schritten vorzugehen und drei grundlegende Maltechniken einzusetzen. Sie alle sind einfach und schnell in der Anwendung:

1. Grundfarbe auftragen

Ist man mit dem Farbton der Paste nicht zufrieden oder man möchte ihn sowieso verändern, malt man nun einfach mit der gewünschten Farbe über die Basestruktur. Wer natürlich wirkende Schattierungen simulieren will, kann mit mal mehr, mal mit weniger Verdünnumg arbeiten um die Farbe der Paste nach der Bemalung an manchen Stellen auch noch etwas durchscheinen zu lassen.

Runewars Minis – Grundfarbe sind zwei Contrast-Paints Nass-in-Nass aufgetragen.

2. Schatten verstärken: Washes

Washes sind einfach gesagt sehr stark verdünnte Acrylfarben. Sie werden direkt aus dem Pott aufgetragen.

Dadurch, dass ihr Flüssigkeitsanteil im Vergleich zu den Pigmenten sehr hoch ist, läuft die Farbe hauptsächlich in die Vertiefungen. Die dunklen Washes sammeln sich an den tieferen Stellen der Base und sorgen so für den Eindruck von Schattierungen.

Als Farben sind dunkle Braun- und Grüntöne zu empfehlen, aber auch schwarze Washes funktionieren – vor allem bei unnatürlichen / industriell wirkenden Bases.

Dann sollte man wiederum einige Zeit vergehen lassen, bevor man den nächsten Schritt tätigt: Washes benötigen naturgemäß eine gewisse Trocknungszeit.

Citadel Washes von Games Workshop – perfekt für verschiedenste Bases

3. Highlights hinzufügen: Trockenbürsten

Diese Technik erfordert etwas Übung. Sie ist zugleich aber ohnehin eine der wichtigsten Maltechniken überhaupt, die man in seinem Arsenal als Miniaturenmaler haben sollte! Also keine Angst!

Man nehme erst einmal einen etwas breiteren Pinsel – je nach Größe der zu bemalenden Fläche. Ideal sind kleine Schminkpinsel, die es für wenig Geld im Drogeriemarkt zu kaufen gibt. Sie haben viele kleine, feine Haare, was ideal für unser Vorhaben ist.

Als Farbe wählen wir einen hellen Ton, ein sehr helles Braun, Ocker oder Grau, je nach Geschmack und Wunsch.

Mit dem Pinsel nimmt man nun etwas Farbe auf – nur ganz wenig, die Spitze leicht einzutauchen genügt völlig. Diese Farbe wischt man dann auf einem Küchentuch oder etwas Ähnlichem so lange ab, bis fast nichts mehr davon am Pinsel haftet und von den Haaren abgeht. Der Pinsel ist nun fast trocken.

Mit diesem trockenen Pinsel wischen wir / malen wir nun über die trockene Stuktur-Base. Die erhöhten Stellen nehmen die im Pinsel verbleibenden Pigmente auf und werden heller, die tiefen Stellen bleiben dunkel: Voila, wir haben Highlights!

Allein, wie gesagt, man sollte vorsichtig sein: Ist der Pinsel zuvor nicht gut abgewischt worden oder auch nur ein kleines Bisschen feucht, dann malt man plötzlich regelrechte Schlieren über das Modell, anstatt die gewünschten Highlights zu erzeugen.

Übung macht hier den Meister, weniger ist mehr und Geduld ist ein guter Ratgeber.

Reihenfolge

Mir persönlich macht vor allem das Trockenbürsten immer eine Menge Spaß, denn wie von Zauberhand werden dadurch plötzlich all die Details auf der Oberfläche sichtbar, die man zuvor nur erahnen konnte!

Man kann übrigens die Reihenfolge der Schritte 2 und 3 auch umkehren, oder die Schritte nach Belieben wiederholen! Mehr Aufwand erzeugt natürlichere und komplexere Übergänge.

Grundsätzlich sorgt das Auftragen von Washes nicht nur für einen klareren Kontrast durch die Verstärkung der Schatten:

Nicht alle Pigmente wandern in die Vertiefungen, einige bleiben auch an den hohen Stellen hängen. Dadurch wirkt die Farbe auch wie ein Filter, der sich leicht über die gesamte Base legt und diese so visuell zu einer Einheit verschmilzt. Zugleich werden die vorhandenen Highlights durch das Übermalen etwas stumpfer.

Je nach Glanz oder Mattheit der Wash (je nach Produkt) kann zudem mehr oder weniger der Eindruck von Feuchtigkeit zurückbleiben. Das kann zum Beispiel bei Bases gewünscht sein, die eine morastige oder sumpfige Umgebung darstellen sollen.

Hat man es andererseits mit dem Trockenbürsten etwas übertrieben, kann man mit Washes eventuell noch etwas gegensteuern.

Trockenbürsten lässt die hellen Partien klar hervortreten. Außerdem sorgt es immer für einen etwas sandigen, staubigen Gesamteindruck. Zuletzt trocken zu bürsten ist also eher ratsam, wenn etwa eine Wüste oder Steppe das Setting sein sollen, oder auch eine karge Mondlandschaft.

Die letzte Schicht ist dabei immer die entscheidende:

Wash wirkt nass, Trocken wirkt trocken: Das ist auch leicht zu merken.

Rand

Was noch fehlt, ist der Rahmen um die Base. Meist wird man die Farbe der Base-Struktur weiterführen, oder eine neutrale Farbe verwenden, um einen runden Gesamteindruck zu erreichen. Bei Miniaturen-Brettspielen machen manchmal auch farbige Ränder Sinn, um die Zugehörigkeit der Miniatur zu einem Spieler zu kennzeichnen.

Gloomhaven Minis – Der Rand der Base ist entsprechend der Charakterkarte farbig bemalt

Wie immer beim Malen und Basteln gilt: Übung macht den Meister!

Und nächstes Mal sprechen wir noch über ein paar Möglichkeiten, wie man diese Bases noch weiter verfeinern kann…


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