Hobby-Zone: Lasieren (Malgrundlagen 3)

Lese Zeit: 7 Minuten

Vor kurzem haben wir uns eine sehr effektive Maltechnik angesehen, um Licht und Schatten auf eine Miniatur zu bringen und zu verstärken, bis zu dem Punkt, an dem die Konturen des Modells beinahe übermäßig deutlich betont werden: Sketching.

Wie angekündigt, soll es nun darum gehen, wie man schnell und einfach von einem Sketch zur fertigen Miniatur kommt. Und eine der effektivsten Methoden hierfür ist Lasieren.

Helligkeit und Farbe

Normalerweise malen wir auf die Grundierung erst einmal unsere grundlegenden Farben auf, um die jeweiligen Bereiche eines Modells zu definieren. Anschließend werden in Schichten hellere und dunklere Farbe aufgetragen, sodass ein Hell-Dunkel-Eindruck entsteht und das Modell mit Leben gefüllt wird.

Diese Standardtechnik setzt sich zusammen aus dem sogenannten Blocking (oder einfach nur dem Auftragen von Grundfarben) einerseits, und dem Schichten (englisch Layering) andererseits. Diese Techniken sind grundsätzlich leicht verständlich und einfach zu lernen, praktisch jeder Hobbyist wird sie sehr schnell kennen lernen und in sein Repertoire aufnehmen.

(Diese Figur von Kyndrithul etwa ist geschichtet:)

Descent Lieutenant Pack Kyndrithul Miniatur bemalt
Kyndrithul – Descent 2nd Edition

Diese Techniken haben aber einen entscheidenden Nachteil:

Die Helligkeitsstufen, also jene Bereiche eines Modells, auf denen mehr Licht auftrifft oder weniger – werden mit Hilfe eben jener Farbschattierungen hergestellt, die zugleich die Farbe selbst bestimmen. Mit anderen Worten: Die Darstellung der Helligkeit und des Kontrasts auf dem Modell ist untrennbar vermischt mit der Entscheidung über den jeweiligen Farbauftrag, die Farbwahl selbst.

Es ist beim Schichten also gut, sich ein wenig mit Farbenlehre auszukennen. Wenn man etwa einem roten Umhang mittels Schichten ein paar Highlights verpassen will, nimmt man nicht Weiß sondern Gelb oder Orange zum Aufhellen des ursprünglichen Rot, sonst landet man schnell bei Pink und der Gesamteindruck des Stoffes verändert sich in eine eventuell ungewünschte Richtung. Entsprechendes gilt für alle Farben des unendlichen Farbspektrums.

Mit Schichten kann man also viel machen, und bei Wettbewerben gewinnen geschichtete Modelle auch eine Menge Preise, aber es gibt einen einfacheren Weg zum Ziel, und um diesen geht es heute.

Lasur / (englisch Glaze)

lasierte Miniaturen
Spindel Drohnen (Blackstone Fortress)

Eine Lasur ist eine sehr dünne Farbe, welche die zugrunde liegende Struktur und Kontrastbeschaffenheit nicht verdeckt, sondern durchscheinen lässt.

Man kennt es vielleicht vom Handwerken: Einen Holzstuhl aus hellem Holz kann man in einer deckenden Farbe streichen (das würde dem Auftragen einer Grundfarbe auf ein Modell entsprechen), oder aber man behandelt ihn mit einer Lasur, um die Holzmaserung nicht zu verdecken, den Stuhl aber in eine bestimmte Richtung zu färben.

(Ich werde in diesem Beitrag nur von wasserbasierten Acrylfarben sprechen, im Grunde aber gilt mit anderen Materialien alle Prinzipien auch etwa für Ölfarben und Emailfarben.)

kleiner Exkurs: Acrylfarben

Farben bestehen zum größten Teil aus drei Komponenten: den Pigmenten, dem Bindemittel und dem Lösungsmittel. Die Pigmente sorgen für die Farbe, sie SIND die eigentliche Farbe in der Mixtur.

Das Bindemittel sorgt dafür, dass die Farbe eine gleichmäßige Konsistenz aufweist, sich gut verteilt und auch auf einer Oberfläche auch haften bleibt. Im Falle von Acrylfarben handelt es sich beim Bindemittel um ein kunstharzbasierte Substanzen, die für Elastizität und das etwas „schmierige“ Gefühl der Farbe sorgen: ihre Viskosizität.

Das Lösungmittel für Acrylfarben ist Wasser, daher auch die Beifügung „wasserbasiert“. Sie sind also mit Wasser verdünnbar. Das Lösungsmittel sorgt nun dafür, dass die Farbe eine Zeit lang flüssig bleibt – so lange, bis es verdampft. Je mehr Wasser in der Farbe, desto flüssiger ist sie. Verdampft der Wasseranteil, dann härtet die Farbe aus und wird fest.

Lösungsmittel vs. Bindemittel

Jede beliebige Acrylfarbe lässt sich nun durch das Beimischen von einer der beiden oder auch beider Komponenten manipulieren. Wichtig ist zu verstehen, wie sich die Zugabe von Lösungsmittel und Bindemittel auf unsere Farbe auswirkt.

Mischen wir auf unserer Palette Wasser in die Farbe, so wird diese zunächst ebenso dünner, wie bei der Zugabe von Bindemittel. Das ist logisch, weil der Anteil der Pigmente in der Farbsubstanz in beiden Fällen sinkt. Was den Unterschied nun ausmacht, ist das Verhalten der Pigmente – die wir am Ende auch sehen – in Verbindung mit den beiden Mitteln.

Bei Zugabe von Wasser (Lösungsmittel) wird die Verbindung der Pigmente untereinander aufgeweicht und gelockert. Die Pigmente schwimmen freier in der Mischung herum und werden mehr von Gravitation und Kapillarwirkung beeinflusst. So kann man etwa Washes herstellen: die geringere Bindung der Pigmente untereinander sorgt dafür, dass sie eher auf dem Material eines Modells „schwimmen“ und sich mehr in Vertiefungen sammeln als dass sie auf glatten Flächen liegen bleiben. (Mehr zu Washes ein anderes mal…)

Die Zugabe von Bindemittel hat hier einen entscheidend anderen Effekt: Die Farbe wird noch viskoser („schmieriger“), die Pigmente haften mehr aneinander und rinnen nicht so leicht der Schwerkraft oder Kapillarwirkung folgend in jede Ritze.

die Farben der Spindeldrohnen
ausprobierte Lasurstärken

Das nun erlaubt es, auf Flächen dünne Schichten zu malen (weniger Farbpigmente auf mehr Flüssigkeit im Verhältnis), ohne die ungewünschten Ränder zu erhalten, die entstehen, wenn man nur mit Wasserverdünnung arbeitet.

Eine Lasur ist nun also eine Farbe, die mittels der Zugabe von Bindemittel verdünnt wurde. Sie ist transparenter als die ursprüngliche Farbe, zugleich elastisch und „verrrinnt“ nicht so sehr.

Sketch lasieren

Die Technik des Lasierens ist nun denkbar einfach.

Man nehme die gewünschte Farbe, verdünne sie mit Hilfe von Bindemittel anstelle von Lösungsmittel, bis sie schön durchscheinend ist, und male über die gewünschten Flächen direkt auf den Sketch.

Mehr ist es eigentlich nicht.

Man kann immer noch mit Wasser verdünnen; je mehr man das aber tut, desto mehr Einfluss haben Gravitation und Kapillareffekte auf das Ergebnis.

Ich rate zum Ausprobieren der Farbe auf einem Blatt Papier vor dem Farbauftrag! So kann man sowohl die Viskosizität als auch die Deckkraft einfach überprüfen, bevor man die Farbe auf eine Fläche aufträgt. Wer ein feineres Ergebnis erhalten möchte, und vielleicht auch die Sättigung der Farbe nur auf manchen Stellen hervorheben oder reduziert halten will, der sollte in möglichst mehreren sehr dünnen Schichten arbeiten.

Der Farbauftrag selbst geht schnell und einfach, Fehler sind rasch korrigiert (mit dem nassen Pinsel einfach die Farbe wieder abnehmen, bevor sie trocken ist) oder bei sehr dünnen Schichten oft nicht einmal sichtbar.

Außerdem kann man mit einer zweiten Farblasur bestimmten Bereichen eine weitere Farbtönung verleihen, was den Eindruck von Lebendigkeit immer gleich immens steigert.

Ur-Ghuls aus Blackstone Fortress

Ich experimentiere selbst noch nicht so lange mit Lasuren, aber ich muss sagen: Ich bin begeistert. Die Arbeit geht schnell voran, das gehasste „Rausmalen“, das man immer wieder korrigieren und übermalen muss, fällt komplett weg, und Licht und Schatten sind bereits vorhanden, wenn Farbe ins Spiel kommt! Ich kann mich in diesem Schritt des Lasierens also ausschließlich um die Farbe selbst kümmern, weil Kontraste bereits angelegt sind!

Trennung von Kontrast und Farbe

Die Aufteilung und Trennung bei dieser Arbeitsweise von Kontrast und Farbe macht die Entscheidungen wie gesagt kinderleicht, die beim Malen zu treffen sind.

Im Sketch sind bereits alle Hell-Dunkel-Werte angelegt, ich muss mich nur noch darum kümmern, welche Farben ich eigentlich auf dem Modell haben will. Der dünne Auftrag der Lasur macht Fehler sehr verzeihlich, und die Farbsättigung kann ich ganz leicht durch die Anzahl der Aufträge kontrollieren: Will ich ein sattes Blau, so male ich mehrere Aufträge. Soll es nur sehr durchscheinend bleiben, genügt vielleicht einen einzige Lasurschicht.

Am Ende sind dann nur noch kleine Details nötig, wie hier im Beispiel des Roboters aus der Blackstone Fortress die Lampen, Anzeigen und Augenpartie.

Vom Sketch bis zur fertigen Figur hat die Arbeit in diesem Fall etwa eine Stunde gedauert – inklusive der Details. Und damit bin ich durchaus zufrieden.

Jetzt muss ich nur noch den Rest der Box auf diese Weise anmalen. Die Sketches sind schon fertig… 🙂


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