Hobby-Zone: Grundieren (Malgrundlagen 1)

Lese Zeit: 10 Minuten

Wer Miniaturen bemalen will, sollte mit einer Grundierung für den Farbauftrag anfangen.

Das Plastik, Resin oder Metall, aus dem die Figuren bestehen, eignet sich nämlich grundsätzlich nicht dafür sofort filigran bemalt zu werden. Direkt aufs Material aufgebracht perlt zum Beispiel Acrylfarbe einfach ab.

Bei Ölfarben verhält es nicht viel anders, wenn auch die Zähigkeit der Farbe selbst etwas mehr Halt gibt. Allein Enamelfarben, bekannt aus dem allgemeinen Modellbau, lassen sich direkt auftragen, beide Farbmaterialien brauchen aber wieder eigene Verdünner und Lösungsmittel zur Reinigung der Pinsel und sind für die Bemalung etwa von Spielfiguren eher ungeeignet.

Bleiben wir also erst einmal bei Acrylfarben, die nicht ohne Grund in unserem Hobby am weitesten verbreitet sind. Sie sind wasserbasiert, lassen sich also mit Wasser verdünnen, und auch die Reinigung der Pinsel geschieht mit Wasser und eventuell etwas Seife. (Es gibt gute Pinselreiniger, aber während einer Malsession wäscht man die Pinsel einfach in einem Tiegel Wasser aus.)

Vor dem Grundieren

Manchmal hält selbst eine Grundierung noch nicht besonders gut auf einem bestimmten Untergrund. Deshalb ist es vor allem bei Resin- und Metallbausätzen nötig, diese erst zu waschen, bevor man die Grundierung aufträgt.

Die Figuren sind aufgrund des Herstellungsprozesses (meist handelt es sich um eine Art Gussverfahren) mit einem Mittel überzogen, das verhindert, dass die Bauteile in der Gussform kleben bleiben. Es verhält sich dabei ähnlich wie beim Kuchenbacken, wo die Mama die Kuchenform mit Butter einschmiert, damit der Teig nicht an der Form kleben bleibt, wenn der Kuchen fertig ist. Das Fett zieht in den Kuchen ein und macht den Rand etwas saftiger; bei unseren Minis zieht es hingegen leider nicht ein, sondern bleibt außen auf ihnen haften.

Manchmal kann man dieses Mittel sogar noch richtig spüren oder sehen:

Resinfiguren etwa sind oft schmierig und hinterlassen einen fettigen Film auf den Fingern, wenn man über die Bauteile streicht, bei Metallfiguren macht sich manchmal eine weißgraue Pulverschicht bemerkbar, die sich mit den Fingern an der Oberfläche abreiben lässt.

Einzig bei hochwertigen Plastikgussrahmen ist eine Behandlung vor dem Grundieren nicht unbedingt nötig (ich wasche meine GamesWorkshop Gussrahmen zum Beispiel nie), man sollte aber auch hier aufpassen. (Descent-Figuren etwa wasche ich wiederum schon, wie im Übrigen die meisten Figuren, die aus Miniaturenbrettspielen stammen. Hier habe ich ohne Vorwäsche beim Bemalen schon böse Überraschungen erlebt.)

Waschen

Waschen ist einfach und unkompliziert: Stoppel ins Waschbecken, damit nichts im Ausguss verschwindet, oder besser noch, eine Schüssel nehmen; Wasser rein, ein Tropfen Spülmittel oder auch nur einmal kräftig Handseife in die Hand, und damit die Bauteile abreiben.

Für die Vertiefungen, damit man wirklich überall hinkommt, empfiehlt sich eine Bürste: eine Nagelbürste, eine alte Zahnbürste oder auch eine extra gekaufte Modellbaubürste – Hauptsache sie ist weich, denn wir wollen das Modell nicht zerkratzen sondern reinigen.

Nach dem Waschen auf ein Geschirrtuch, Kleenex oder ein Stück Küchenrolle legen, und eventuell abtupfen, damit alles wieder trocken ist, bevor es nun endlich zur Grundierung geht.

(Oh, ja, das ist übrigens immer wichtig, egal um welchen Schritt es sich handelt: Wer nicht explizit Nass-in-nass arbeiten will, sollte beim Malen immer auf die Trocknung achten.. 😊 )

Grundierarten

Es gibt drei Möglichkeiten, Miniaturen und Modelle zu grundieren.

  1. Sprühgrundierung
  2. Airbrush
  3. Pinselauftrag

Sprühgrundierung

diverse Farben zur Spraygrundierung

Die Grundierung mit Hilfe von Sprühfarbe aus der Dose ist die einfachste und schnellste Art, eine Menge Figuren auf einmal malbereit zu bekommen.

Dosen gibt es von verschiedenen Herstellern, sie kosten zur Zeit im Schnitt um die 10 Euro und eine Dose genügt meist (ganz grob gesprochen), um etwa zwei Armee-Starterboxen von Games Workshop zu grundieren, oder auch zwei komplette Mini-Serien von einem Spiel wie zum Beispiel Zombicide.

Ich habe gute Erfahrungen mit Citadel (GamesWorkshop) und Armypainter gemacht, es gibt aber auch andere.

(Sprühgrundierungen, die nicht explizit aus dem Hobbybereich kommen – etwa Autolacke oder andere Sprühlacke aus dem Baumarkt – würde ich übrigens vermeiden, weil sie meist zu grob auftragen und dadurch Details leicht verkleben und eventuell durch ihre Inhaltsstoffe auch noch die Minis selbst angreifen und beschädigen können.)

Da es sich bei den Grundierungen um Lacke handelt, die mittels Druckluft oder einem anderen Treibmittel aus der Dose gepustet werden, sollte man unbedingt im Freien oder zumindest in einem gut belüfteten Raum arbeiten. Wer im Hobby-Keller grundiert, sollte unbedingt gut lüften und eine Gasmaske o.ä. tragen, um seine Lunge zu schützen.

Bei Spaydosen ist immer auf die Anleitung zu achten, das heißt vor allem, vor dem Sprühen lieber zu viel als zu wenig schütteln, damit Farbe und Treibmittel sich gut vermischen.

In unseren Breiten (Mitteleuropa) ist auch auf Temperatur und Wind zu achten, draußen zu grundieren funktioniert hier tatsächlich in der Übergangszeit am besten, im Winter ist es zu kalt und feucht (die Farbe klumpt, bevor sie beim Sprühen auf der Oberfläche ankommt), im Sommer kann es im Extremfall zu heiß sein (wodurch die Farbe trocknet, bevor sie auftrifft, was zu einer staubigen, körnigen Oberfläche führt), und wenn Wind geht, fliegt die Farbe gern mal überall hin, nur nicht auf das Modell…

Also auf die Witterung achten, bald ist hier wieder Frühling, ab ca. 10 Grad Celsius sollte es auch wieder klappen mit dem Sprühen im Freien.

Sprühstab / Sprühschachtel

Eine Hilfe, um alle Bereiche der Figur beim Grundieren zu erreichen, und sie nicht in der Hand oder mit der Pinzette greifen zu müssen, ist der berühmte Sprühstab: Ich nehme einfach einen dünnen, flachen Holzstab (grob 50-80cm lang), klebe ein Stück doppelseitiges Klebeband darauf, und auf dieses Wiederum kommen die Miniaturen. Das Klebeband sollte dabei genug Kraft haben, damit die Figuren nicht beim Sprühen abgehen, zu Boden fallen und kaputt gehen.

Diesen Stab kann man dann in jede Richtung drehen, am besten hält man ihn mit der einen Hand, während die andere sprüht. Ein alter Putzhandschuh sorgt dann auch dafür, dass man sich nicht um Farbe auf der Hand sorgen muss, die den Stab hält.

Und damit die Farbe, die unweigerlich daneben geht, nicht die Gartenmöbel verunziert, kann man hinter die Figuren eine alte, große Schachtel stellen, die den Überschuss auffängt. In diese Schachtel lege ich auch immer gleich den fertig grundierten Sprühstab, da kann er dann in Ruhe trocknen.

Lead Belcher Sprühgrundierung, Citadel

Sprühen

Nach ausreichendem Geschüttel kann nun gesprüht werden. Am besten immer erst kurz an irgendetwas (etwa der Sprühschachtel) ausprobieren, damit man weiß, bei wie viel Druck wie viel Farbe aus der Dose kommt. Dann kanns losgehen.

In etwa 20-30cm Abstand wird in kurzen Stößen die Farbe auf die Figuren aufgetragen. Dabei ist darauf zu achten, dass man möglichst immer den Winkel und die Richtung ändert, aus der die Farbe kommt, damit der Farbauftrag gleichmäßig verteilt bleibt, die Farbe nach dem Auftreffen etwas Zeit zum Trocknen hat, und die feinen Details nicht durch zu viel Farbe zugeschmiert werden.

Wenn die Figur auf einem Untergrund steht, sollte man sie deshalb nach jedem Stoß etwas drehen und wenden.

Ein Sprühstab macht hier die Arbeit um vieles leichter: Während die Dose mit der einen Hand relativ gleichmäßig bedient werden kann, sorgt die andere Hand ganz einfach für die nötige Abwechslung, sodass am Ende Farbe überall da ankommt, wo sie hinsoll.

Eine gute Idee ist es im Übrigen auch, in zwei Schichten zu grundieren. Dazwischen sollten dann ein paar Minuten Zeit liegen. Dadurch kann die erste Schicht etwas antrocknen, bevor die zweite kommt, was die Farbe stabiler und fester macht, und man kann nach dem ersten Auftrag nach ein paar Minuten auch ganz gut beurteilen, wo die Grundierung noch nicht gut genug hingekommen ist, wo also noch nachgebessert werden kann.

Airbrush

Wenn es die Witterung draußen nicht zulässt eine Sprayfarbe zu verwenden, ist die Airbrush eine gute Alternative. Allerdings gilt auch hier wegen der Farbpartikel in der Luft: Lüften!

Dazu hat die Airbrush noch einen Vorteil gegenüber der Spraydose: sie ist viel zielgenauer, ergiebiger und damit auf lange Sicht günstiger als eine Sprühdosen-Grundierung.

Man muss halt erst mal eine Airbrush haben, nicht jeder hat dafür das Geld oder den Platz…

Zielgenauer bedeutet aber bei der Airbrush auch, dass die Grundierung (auch hier zwei Schichten) zwar etwas gründlicher ausfallen kann, es dauert aber auch um einiges länger, eine Grundierung fertig zu bekommen: die Farbmenge, die bei den einzelnen Luftstößen auf die Miniatur transportiert wird, ist viel geringer als bei der Dose, also mehr Arbeitszeit in Summe. Der Trick mit dem Sprühstab funktioniert hier auch nur bedingt und in etwas kleineren Modell-Mengen.

Ich verwende zur Airbrushgrundierung übrigens die Farben von Vallejo, die speziell auch für Airbrush entwickelt wurden.

Dabei besteht ein grundsätzlicher Unterschied zwischen dem Ergebnis, das die Sprühdose liefert, und der Grundierung mit der Airbrush:

Der Vallejo-Primer bildet einen griffigen, zusammenhängenden Film auf der Miniatur, der sich wie eine Haut auf die Oberfläche legt. In meiner Erfahrung verbindet er sich dabei aber mehr mit sich selbst als mit dem Material des Objekts. Deshalb ist es wichtig, beim weiteren Malen mit Vorsicht vorzugehen, denn wenn diese Haut aufgekratzt wird und reißt, kann es passieren, dass sie sich an der betreffenden Stelle komplett vom Modell löst und das blanke Plastik / Metall / Resin zum Vorschein kommt. Vor allem bei sehr glatten und größeren Oberflächen sollte man hier aufpassen.

(Eine Versiegelung des fertigen Modells mit Klarlack empfiehlt sich.)

Bei den Sprühgrundierungen verwende ich die von Citadel / Games Workshop am liebsten, sie erzeugt einen stark mit dem Modell verbundene, etwas raue Oberfläche, die gut hält und weitere Farbaufträge perfekt annimmt.

Die Spraydosen von Armypainter sind ebenfalls sehr gut, man muss aber mit mehr Vorsicht sprühen, weil viel mehr Farbe bei einem Sprühstoß ankommt als bei GW-Dosen; wenn man nicht aufpasst, verschmieren schnell mal die Details. Dafür sind diese Dosen ergiebiger und die Farben wirken schön lebendig.

Space Hulk Terminatoren

Apropos Farben

Wenn es ums Tempo beim Bemalen geht, und das ist bei Armeeprojekten oft der Fall, kann man sich natürlich für eine Grundfarbe entscheiden, mit der man Grundiert. Dann kann die Grundierung gleich auch als Basis für das Malschema dienen, mit dem man das Modell anmalen möchte.

Ich verwende diese Technik zum Beispiel bei meinen Space Marines, die ich als klassische Ultramarines in blau bemale: Die Grundierung ist zugleich die Grundfarbe der blauen Rüstung.

Wie so oft ist auch hier die Frage, wie man nach der Grundierung weiter vorgehen will.

Eine schwarze Grundschicht hat den Vorteil, dass in den Schattenbereichen beim Bemalen, falls man sie mal übersieht, kein weiß durchblitzt, sondern dass sie bereits dunkel sind – passend also. Das Modell bleibt farblich eher dumpf und düster, helle Farben aufzutragen erfordert deutlich mehr Schichten.

Wenn man mit einer Grundschicht aus horizontalen Highlights eine erste Oberflächensturktur betonen will, dann sollte man ebenfalls mit Schwarz oder Grau beginnen und dann von Oben mit Weiß eine weitere Schicht auftragen. (Dazu vielleicht ein andermal mehr.)

Will man kräftige, lebendige Farben erreichen, sollte man am besten auch mit Weiß oder zumindest einer hellen Farbe grundieren.

Pinsel

Als letztes sei noch die Grundierung per Pinsel erwähnt. Sie funktioniert im Grunde genau wie jeder andere Farbauftrag auch, nur dass man zum einen auf die Beschaffenheit der Grundierung achten muss – wasserbasiert oder nicht? -, und zum anderen sollte man achtgeben, dass der Auftrag dünn und gleichmäßig bleibt. Das kann wegen der grundsätzlich etwas zäheren Beschaffenheit von Grundierfarben beachtet werden, stellt aber eigentlich weiter kein Problem dar.

Ich verwende, weil es mir zu mühsam ist, Pinselgrundierung übrigens nur zum Ausbessern und Nachbessern, wenn die Sprühgrundierung trocken ist und ich etwas übersehen habe.

Der Imperial Primer im Tiegel von GW ist dann meine Go-To Option ohne Probleme. Eine ganze Figur lässt sich damit natürlich auch grundieren, das finde ich persönlich aber zu mühsam und ich würde es höchstens im Notfall (etwa auf Reisen) machen.

Zusammenfassend kann man sagen:

  1. Spray ist ideal, wenn die Bedingungen ideal sind (Witterung und Platz)
  2. Airbrush ist flexibel und eignet sich auch für innen
  3. Pinsel für Nachbesserungsarbeiten und zur Not

In einem weiterführenden Blog wird´s dann mit den verschiedenen Maltechniken weiter gehen, auf die unsereins im Hobby zurückgreifen kann.

Ich freu mich schon drauf!


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