Miniaturen anmalen – Wo fange ich an?

W40K Eldari
Lese Zeit: 6 Minuten

Die erste Frage ist natürlich: Von welchen Minis sprechen wir überhaupt?

Es gibt fertige Figuren aus einem Guss, wie sie meist in Miniaturenbrettspielen zu finden sind (Zombicide, Deep Madness, Project Elite etc.) und solche, die man erst zusammenbauen muss, bevor man sie anmalen kann, was auf die meisten Tabletop Wargames zutrifft (Warhammer, Warmachine, Infinity, Freebooters Fate etc.).

Den eventuellen Zusammenbau lassen wir heute aber mal außen vor und springen direkt ins Thema: Malen.

Noch bevor ich einen Pinsel in die Hand nehme oder mit der Airbrush oder Sprühdose anfange auf meine Figuren loszugehen, stelle ich mir eigentlich immer folgende beide Fragen:

a) Welchen Stil verfolge ich? und

b) Wie viel Zeit will ich investieren? bzw. Wie schnell will ich die Figuren fertig haben?

Zeit als Faktor

Dabei ist das Maltempo mittlerweile fast schon die wichtigere Frage für mich. Bei der Menge an Spielen, die ich in diesem Hobby gern auf dem Tisch sehen möchte, gibt es viel zu tun.

Wenn ich Miniaturen für ein Brettspiel anmale, dann will ich vor allem schnell sein, und das am besten auch noch ohne Qualitätsverluste. Denn ich will die Figuren im Spiel lieber in Farbe erleben als in einfarbigem Plastik.

Miniaturen hingegen, die eher für die Vitrine gedacht sind – in meinem Fall sind das häufig die Tabletop Figuren etwa aus dem Warhammer 40k Universum oder von Privateer Press´ Warmachine – müssen nicht schnell fertig werden. Da geht es mir ausschließlich darum, verschiedene Ideen auszuprobieren und einfach nur Spaß am Malen selbst zu haben.

Fotos Imperial Knight (Vitrine)

Die Stilfrage

Im Grunde besteht kein Unterschied zu Künstlern, die mit Farbe auf einer Leinwand malen und mit Hilfe verschiedenster Techniken Bilder und Kunstwerke aller Art erschaffen, es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie man Minis anmalen kann: Ob eher realistisch oder extrem bunt, impressionistisch, dargestellt in groben Farbblöcken oder fein detailliert herausgearbeitet, alles ist erlaubt, alles ist machbar. Pinsel, Airbrush, Acrylfarben, Enamelfarben, Ölfarben, Pigmente, ja sogar reine Naturstoffe können verwendet werden, die Grenzen sind im eigenen Kopf.

Das Problem besteht also eher darin, sich auf eine Richtung festzulegen, die man für ein Projekt konkret einschlagen will.

Bei Brettspielen folge ich diesbezüglich zunächst einer sehr einfachen Regel:

Gibt es ein grafisches Konzept / Boxart, Spielkarten, auf denen die Figuren in Farbe abgebildet sind, die ich bemalen möchte? Wenn ja, versuche ich diesen Stil so gut als möglich nachzubilden. Das fördert die Konsistenz des Gesamt-Looks, wenn das Spiel auf dem Tisch aufgebaut ist, und es nimmt mir eine ganze Menge an Entscheidungen mit einem Schlag ab, vor allem, was die Farbauswahl anbelangt.

Ich lege mir also die „Malvorlage“, ob es nun eine Karte, ein Regelheft oder ein Coverfoto ist, direkt neben meinen Malplatz, und dann geht es nur noch darum, die richtigen Farben entweder aus dem Malkoffer zu suchen, die für das Projekt passen, oder sie zusammen zu mischen, falls sie nicht vorhanden sind. Das ist dann ein wenig wie „Malen nach Zahlen“, geht aber relativ schnell, weil ich nicht jedes Mal lange überlegen muss, welche Farben für welches Detail gut geeignet wären.

Dann kommt es nur noch auf die Techniken an, die ich verwenden möchte: Layering / Schichten, Trockenbürsten und Washing ist dabei für mich den Mindeststandard, um Plastizität und den Eindruck von Lebendigkeit zu erreichen. Diese Techniken sind einfach und kosten wenig Zeit.

Abhängig vom Thema des Spiels etwa lassen sich dann noch weitere Techniken einbinden, um den Gesamteindruck des Spiels zu verstärken. Ein Beispiel:

So habe ich etwa bei Middara etwas mehr Aufwand betrieben, und alle metallischen Oberflächen in der NMM-Technik bemalt: non-metallic metal bedeutet hier, dass man Metallflächen (etwa Schwerter, Ketten oder Goldarmbänder) nicht mit Metallfarben bemalt, deren metallene Pigmente für den gewünschten metallischen Glanz sorgen; man versucht vielmehr, den Eindruck von Metall gezielt durch Licht und Schatten auf der gewünschten Oberflächen zu erwecken.

Das ist zwar ein Mehraufwand gegenüber der üblichen Vorgehensweise, es entspricht aber dem Comic-Charakter des Spiels. (siehe Blob #…) Im Artwork tauchen keine echten Metallfarben auf, und das wollte ich auf den Minis nachbilden.

Bei den Monstern für Deep Madness hingegen bin ich völlig anders vorgegangen:

Ich habe die Figuren schwarz grundiert, dann mit weiß ein „zenital highlight“ aufgebracht (d.h. nur von oben übersprüht, sodass der Eindruck von Licht und Schatten entsteht). Dann habe ich ein paar passende Contrast-Paints von Citadel genommen – hoch pigmentiert und sehr flüssig im Vergleich zu normalen Acrylfarben – und diese ohne viel Aufhebens nass-in-nass auf die Figuren geklatscht.

Der Look ist schmutzig und fleischig-organisch, genau richtig für dieses Horror-Spiel.

Descent 2nd Edition hat hingegen wieder einen sehr klaren, sauberen Look im Artwort, daher sind auch meine Figuren sauberer bemalt: Grundfarben, Schichten und Washes, um die Details hervor zu holen, aber wenig Trockenbürsten und wenig grobe Washes über die ganze Figur, um den Eindruck von Dreck und abgetragener Struktur zu vermeiden.

Auch bei Tabletop-Spielen orientiere ich mich gerne mal an den Bildern auf der Spielschachtel, hier kommt es mir aber eher darauf an herum zu probieren, vor allem, wenn es sich um eine neue Armee handelt.

Wenn ich vor habe, ein Armeeprojekt über einen längeren Zeitraum hinweg auszudehnen, dann spielt auch die Wiederholbarkeit des Farbschemas eine wichtige Rolle. Dann stellen sich Fragen wie: Steht die Tarnung der Modelle thematisch im Vordergrund, oder legt die Fraktion auf Repräsentation und grelle Farben mehr Wert? In welcher Umwelt sind die Figuren zu Hause? Wie möchte ich dann in weiterer Folge die Bases gestalten?

Wie gesagt, die Möglichkeiten sind schier endlos. Je mehr Gedanken man sich aber im Vorfeld über ein Malprojekt macht, desto konsistenter und konsequenter kann man dann auch loslegen.

Was auch immer man aber vor hat: Es sollte in erster Linie Spaß machen!


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