Eine Armee in einer Woche

Lese Zeit: 9 Minuten

Was macht man, wenn man mal Urlaub hat? Richtig: Man halst sich Arbeit auf!

Während ich eigentlich den Pile of Shame etwas reduzieren wollte – Minis anmalen was das Zeug hält, damit endlich mal etwas mehr fertig wird und nicht nur angefangen im Bastelzimmer rum steht, bin ich dummerweise über ein Abverkaufsangebot gestoßen und hab auch gleich zugeschlagen:

Runewars, das Miniaturenspiel von Fantasys Flight Games: 4 Fraktionen, 21 Schachteln, 172 Minis.

Selbst Erdi, das Erferkel, ist von der Menge überwältigt…

Das Spiel hatte im Verkauf eigentlich nicht gerade lange Bestand und wird mittlerweile nicht mehr unterstützt. 2017 hatte FFG versucht in den Markt der Miniaturenspiele mit diesem Fantasy-Armeespiel einzudringen und sich dabei anscheinend die Finger verbrannt. Die Welt Terrinoth, in der auch Descent, Helden von Terrinoth, Runebound und andere Spiele des Herstellers angesiedelt sind, hatte wohl nicht genug Zugkraft, und ein paar kleinere Schwächen des Spiels haben wohl dafür gesorgt, dass nicht schnell genug Geld für die Firma hereinkam. Der Markt ist anscheinend etwas gesättigt.

Und so wurde das Runewars Miniaturenspiel nach nur etwa zwei Jahren Laufzeit wieder aufgegeben.

Schade eigentlich, denn das Spiel ist ein echtes Armee-Spiel, bei dem eine Menge Minis auf den Tisch kommen, und das System hat durchaus Stärken.

Spielmaterial

Die Minis werden auf kleinen Tableaus übers Feld geschoben. Diese können auch zusammengehängt werden, was je nach Ausrichtung der Figuren Auswirkungen auf deren Einsatzeigenschaften hat. Durch das Zusammenhängen der Tableaus können riesige Einheiten entstehen, epische Schlachten mit einfach zu bedienenden Mitteln sind die Folge: Kein ewiges Rumschieben einzelner Miniaturen, denn die Einheiten bewegen sich im Pulk.

Aktiviert werden Einheiten mittels Wählscheiben, auf denen die Spieler am Beginn der Runde ihre Aktionen und Modifikatoren im Geheimen festlegen. Erst mit Aufdecken der Schablonen wird die Zugreihenfolge ersichtlich wird.

Dieses System hat sich seit X-Wing, dem Miniaturenspiel, das wohl bisher FFGs größter Erfolg war, in vielen Spielen bewährt. Es ist zugleich leicht zu erlernen, einfach zu bedienen und ermöglicht doch eine unglaubliche taktische Tiefe und bei zugleich schnellem Spielfluss. Das sind Vorteile, die bei weitem nicht jedes Tabletop-Wargame mitbringt.

Karten erläutern die Eigenschaften der Einheiten und einfache, mitgelieferte Messstäbe helfen beim Bewegen der Figuren; auch das kennt man von X-Wing und Armada. Ein paar Würfel gibt’s natürlich auch.

ein kleiner Teil des Inhalts – und bereits etwas durchmischt mit den Erweiterungen..

Das Armeeprojekt

Ich wollte das Spiel damals nach dem Erscheinen ausprobieren, hatte aber dann diesen irren Gedanken, dass ich nicht noch ein Miniaturenspiel brauchen würde.

Nun, der Abverkauf zu etwa einem Drittel des Originalpreises war ein starkes Argument.

Außerdem hat es einen beachtlichen Vorteil, ein aufgelassenes Miniaturenspiel zu kaufen, wenn man es ergattern kann: Es gibt keinen Nachschub! Es kann mir also nur schwerlich passieren, dass ich immer noch mehr Zeug für das Spiel kaufe, weil es einfach nichts mehr gibt. Phu, Glück gehabt!

Jetzt hab ich aber nun mal diese Unmengen von Schachteln rumliegen, und das nervt mich eigentlich.

Also habe ich mir, um Platz zu gewinnen, eine Challenge gesetzt:

Mal sehen, ob ich eine ganze Armee in nur einer Woche bemalt bekomme! (Ursprünglich wollte ich es an einem Wochenende schaffen, habe aber bereits nach dem Grundieren aufgegeben.)

1 Woche – 1 Armee

Ich hatte in den letzten Wochen bereits angefangen, die Armee der Daqan auszupacken und für die Bemalung vorzubereiten.

Meine Arbeit erlaubt es mir oft, weil ich viel auswärts übernachte, mich abends mit meinem mitgebrachten Bastelzeug hinzusetzten und ungestört ein wenig zu werkeln. In diesem Fall hatte ich einige Abende damit verbracht, neben dem Fernsehen im Hotelzimmer eine ganze Armee zusammen zu bauen und zu putzen.

Das war also schon geschehen.

Grundiert mit Zenital Highlight war auch alles sehr flott. Ich habe mich für eine Grundschicht in fettem Rot entschieden (Spray von Army Painter, das geht schneller als Airbrushen), um den Schatten gleich mal eine warme und kräftige Farbe zu geben, die komplementär zum restlichen Farbschema wirken würde. Ich wollte mit der roten Grundschicht außerdem mal probieren, Schatten nicht immer nur in Stufen von Schwarz zu malen.

Für das Farbschema habe ich mich der Einfachheit halber grob an die Vorgabe der Spielschachtel gehalten: Blau, Gold, Weiß und für mein persönliches Gusto noch etwas Rot dazu.

Ich wusste, ich muss schnell sein, vor allem auch, damit ich nicht wieder das Interesse verliere und das nächste angefangene Projekt für Monate rumliegt. Das hieß vor allem, ich musste mich organisieren und den Malprozess auf das Wesentliche reduzieren, so gut es geht. Keine ewigen Schichten, kein endloses Anmalen von Unterröcken, die sowieso nicht sichtbar sein werden. Quick and dirty.

Damit es nicht zu einfach wird

Doch es wäre zu einfach, nur fünfzig Figuren in einer Woche anzumalen, nicht wahr? Ich musste dringend gleichzeitig eine neue Maltechnik ausprobieren! Exzellente Idee!

Auf Youtube folge ich dem Kanal von Marco Frissoni: NJM – Not Just Mecha, und ich wollte unbedingt endlich mal sehen, ob es stimmt, was Marco da immer predigt: Ölfarben sind Wunderwaffen beim Speedpainting, unkompliziert und hoch effektiv.

Nun, ich kenne mich mittlerweile ein wenig aus mit Acrylfarben. Washes, dicke Farben, dünne Farben, Lasuren, Shades – alles kein Problem. Aber bei Öl bin ich ein blutiger Anfänger.

Tolle Idee: Schnell malen wollen und zugleich ein völlig neues Medium erlernen!

Der Malprozess

Da ich den Großteil der Arbeit in Öl machen wollte, musste ich nur ein paar grundlegende Farben vorbereiten, sozusagen eine Landkarte anfertigen, auf der ich dann mit Öl auf den Minis weiter malen konnte.

Dazu habe ich allein das Blau der Rüstungen mit Contrast Paint bemalt, sonst nichts. Alles weitere sollte ein Experiment sein!

Zuerst habe ich das Blau der Rüstungen mit Öl weiter bearbeitet: dunkles Blau in den Schatten, helles Blau in den Lichtern, dann das ganze verblendet. Und was soll ich sagen? Es macht richtig Spaß!

Mit Brauner, dicker Öl-Wash habe ich dann den Rest des Modells bearbeitet und nach kurzer Antrocknungszeit mit ein paar Schminkschwämmchen und Wattestäbchen den Großteil der Farbe wieder abgenommen. Übrig blieb ein etwas schmutzig wirkender Sketch, der in den Vertiefungen bereits Farbe trägt. (Diese Technik, eine Art Ölspülung fürs gesamte Modell, hätte ich übrigens vor dem Blau anbringen sollen; beim nächsten Mal.)

Das Modell ist nun also mit einem Ölfilm überzogen, der als Basis für die weitere Bemalung mit Öl dient.

Wirklich verstanden habe ich das erst nach einer Weile.

Zuerst habe ich mit ziemlich geplagt, habe versucht Gelb auf die Kanten der Rüstungen zu malen, um eine Art helles Gold zu erzeugen: Öl ist nicht Acryl! Es trocknet extrem langsam, was einerseits bedeutet, dass man es laaaange weiter bearbeiten kann und Fehler deshalb so gut wie gar nicht möglich sind. (Man kann die Farbe mit etwas Verdünner einfach wieder abnehmen.) Man muss aber auch warten können, denn wenn der Untergrund zu feucht / ölig ist, vermischt sich die nächste Schicht gleich wieder mit der Grundschicht. Uiuiui, Braun und Gelb ergibt schmutziges Gelb und helles Ocker, nicht ganz, was ich für die Rüstungskanten haben wollte.

Wirklich gut hat die Ölmalerei dann funktioniert, als ich den Dreh bei den Umhängen / Schürzen raus hatte: Schichten von weißem Stoff ist mit Acryl immer eine mühsame Herausforderung, weil das Verblenden ewig dauert und zugleich die Farbe schnell kalkig und batzig wirkt. Nicht so mit Öl!

Ein Tupfen Weiß auf die hohen Flächen, der wird mit einem zweiten, trockenen Pinsel mit dem Untergrund verblendet. Ein Tupfen Weiß auf die Fläche, mit dem zweiten Pinsel verblenden. Ein Tupfen Weiß, verblenden. Live, Die, Repeat.

Das Ganze geht unglaublich schnell, lässt sich mit Batches von mehreren Figuren auf einmal toll machen, vor allem, weil so etwas Zeit zum Antrocknen bleibt, bis man den nächsten Durchgang malt, und das Verblenden ist jedes Mal eine Sache von Sekunden! Ich bin wirklich begeistert, wie toll das funktioniert hat! Jippie!

Also: Rüstungen in Öl nachziehen und dabei die Farbverläufe herstellen. Und alles, was Tuch ist, wird auch in Öl gemalt!

Über Nacht musste die Ölfarbe immer wieder trocknen, ganz durch war sie aber auch nach 24 Stunden noch nicht, da muss ich das nächste Mal noch am Mischungsverhältnis arbeiten, oder mit einer Papp-Palette arbeiten, die der Ölfarbe etwas von dem Leinöl entziehen kann, damit die Trocknung etwas schneller geht. Beschleuniger gibt’s angeblich auch, mal schauen. Das schöne ist dabei aber, dass man auch am nächsten Tag nochmal neue Schichten auftragen kann, die sich tadellos verblenden lassen: Nass-in-nass über zig Stunden hinweg sozusagen.

Ab jetzt gings aber wieder mit dem weiter, ewas ich kenne: Acryl.

In mehreren Sessions habe ich mich an die Feinarbeit gemacht. Das in Öl zu versuchen, war mir aufgrund der Größe des Projektes unheimlich, das versuche ich dann mal an einer einzelnen Figur.

Auf das Gelb von vorher habe ich schnell verzichtet, hier bin ich direkt zu Gold zurück gegangen.

Die Golems hab ich mit zwei mittleren Grautönen trocken gebürstet und dann mit helltürkisen und weißen Washes die Vertiefungen leuchten lassen, ein paar Stoffteile an den Infanteristen wurden noch mit hellbrauner Contrast-Farbe akzentuiert, und fertig waren die Figuren!

Die Bases wurden mit Leim eingeschmiert und dann mit einem Sand-Steinchen-Gemisch überzogen. Nach dem Trocknen Farbgrundierung drauf, dann die hellbraune Contrast-Farbe und ein paar dunkle Flecken nass-in-nass, und schließlich alles trocken gebürstet. Hier und da ein paar Grasbüschel drauf, und das war´s!

Die fertige Armee

Das Banner des Bannerträgers braucht eigentlich noch ein Emblem, aber mit gefällt der Stoff, wie er ist, und es wird die einzige Flagge in Blau-Gold auf dem Schlachtfeld sein, also hier keine Verwechslungsgefahr. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Insgesamt habe ich wohl etwas mehr als eine Woche gemalt, ich würde sagen: zehn Tage. Es gibt beim genaueren Hinsehen natürlich Unebenheiten und das Rot in den Schatten ist heftig, vor allem, wenn man von unten auf die Figuren schaut. Aber wann macht man das schon?!

Gelernt habe ich jedenfalls eine ganze Menge.

Wenn man sich hinsetzt, ein Hörbuch aufdreht und drei Stunden nur Gold malt, braucht man zwar danach dringend eine Pause, hat aber auch eine ganze Armee dem Ziel einen Riesenschritt näher gebracht!

50 Figuren erstrahlen nun in ihrer Pracht, ich würde sagen, okayer Tabletop-Standard.

Nun muss ich nur noch die restlichen 122 Figuren von Runewars bemalen, dann kann ich mich wieder um meinen Pile of Shame kümmern…


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🙂
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