Gespielt: Destinies

Lese Zeit: 10 Minuten

Geschichten lesen ist schön, Geschichten spielen ist schöner! In Destinies begeben sich die Spieler auf eine Entdeckungsreise im düsteren Mittelalter, wo Magie und Monster lauern. Wer als erstes sein Schicksal erfüllt, gewinnt!

Grundkonzept

Destinies gehört zu den App-begleiteten Sandbox-Spielen, das heißt: Die Spieler bewegen sich in einer mehr oder weniger offenen Welt, müssen Aufgaben lösen, mit NSCs (Nicht-Spieler Charakteren) sprechen und interagieren und Kämpfe ausfechten um an ein bestimmtes Ziel zu gelangen.

Das Spiel besteht dafür aus physischen Komponenten einerseits, und einer App andererseits. Beides ist für das Spiel nötig.

Im Grundspiel von Destinies sind fünf Szenarien enthalten, die einzeln gespielt werden können, die aber der Reihe nach gespielt auch eine zusammenhängende Kampagne mit übergeordneter Geschichte ergeben. Die Erweiterung Meer aus Sand enthält drei weitere Szenarien, nun in einem Wüsten-Setting.

Jeder Spieler sucht sich zu Spielbeginn einen Charakter aus (die Spiele-App schlägt für jedes Szenario eine Reihe verfügbarer Figuren vor), dann liest er sich den Text auf der Rückseite seiner Figurenkarte durch und entscheidet sich schließlich für eines der beiden Spielziele, die für diesen Charakter zur Verfügung stehen. Diese Ziele hält er vor seinen Mitspielern geheim, denn wer sein Ziel zuerst erreicht, hat im kompetitiven Modus das Spiel gewonnen: Er hat sein Schicksal („Destiny“!) erfüllt.

Man kann aber auch einfach nur so drauf los spielen ohne gegeneinander anzutreten. Und man kann sogar die angeführten Ziele für die eigene Figur bis zu einem gewissen Grad ignorieren: Dann erforscht man als Spieler einfach nur die Welt von Destinies, läuft darin herum und lässt sich überraschen von dem, was passiert und was man machen kann. Das Spiel schreitet dessen ungeachtet allerdings voran, und irgendwann wird man sich dann doch meist bequemen, sich um die Quests zu kümmern, weil sonst die Welt untergeht oder sonst irgendetwas schlimmes passiert.

Aber wie man Destinies spielen möchte, ist im Grunde Geschmackssache.

Eine ganze Reihe von Spiel-Modi stehen zur Wahl.

Spielaktionen

Das Spiel läuft in Runden ab, jede Runde verbraucht einen Tag in der Spielwelt (was sich leider nicht immer richtig anfühlt, weil die Zeit gefühlt dann doch oft etwas zu schnell fortschreitet). Dabei hat man in seinem Zug immer eine Reihe von einfachen Möglichkeiten, die Welt zu erforschen und die Story voran zu treiben:

Spielplanteile / Kartenteile

Die Spielfelder bestehen aus doppelseitigen Karten. Erforschte Spielfelder liegen aufgedeckt auf dem Spieltisch und sind durch ihre farbige Seite zu erkennen und zu unterscheiden von unerforschten Spielfeldern. Die unerforschte Rückseite der Teile ist durch ihre monochrome Farbgebung zu erkennen, auf der spielrelevante Details der Karte auch noch durch Nebel und Wolken verdeckt sind. Die Karten der Spielplanteile werden nach Anweisung durch die App im Laufe des Spiels ausgelegt.

In seinem Zug kann sich ein Spieler nun entscheiden, sich auf ein unerforschtes Kartenteil zu bewegen und es aufzudecken und damit die bekannt Welt zu erweitern. Dazu zieht er seine Spielfigur maximal zwei Kartenteile weit auf ein unerforschtes Feld, dreht es um und konsultiert begleitend die App: Diese zeigt den Spielern dann an, was auf dem Spielfeld von Interesse vorhanden ist, der Spieler markiert die entsprechenden Punkte mit Markern und legt abschließend neue verdeckte Kartenteile an das eben aufgedeckte Teil an.

Auf diese Weise erweitert sich das Spielfeld ständig, die Welt wird größer und damit werden auch die Möglichkeiten – wohin man sich bewegen und was man untersuchen kann – ständig mehr.

Points of Interest

An den interessanten Punkten (die nun mit Markern oder Miniaturen gekennzeichnet sind) kann der Spieler jetzt mit der Spielwelt interagieren. Dazu bewegt er seine Spielfigur zu dem betreffenden Punkt hin und klickt in der App auf den entsprechenden Marker. Die App erklärt dann, was passiert, und bietet eine Reihe von Möglichkeiten an, wie man mit dem Ereignis / der Person / dem Gegenstand interagieren kann.

Zum Beispiel: Mit einem Schmied etwa kann man über die Probleme im Dorf reden, über das eigene Schicksal, man kann ihn zu Gegenständen befragen, die man besitzt oder die er zum Verkauf anbietet, man kann etwas von ihm kaufen, oder man bittet ihn, etwas anzufertigen.

Dabei ist es immer ratsam sich gut zu überlegen, was man machen will, denn die Story reagiert auf die Entscheidungen der Spieler.

Hierzu ein weiteres, fiktives Beispiel (keine Spoiler!): Wer an einer Schlucht steht und versucht, mit seinem Schwert hier voran zu kommen, dem kann es passieren, dass das Schwert dabei einfach nur in die Schlucht fällt und damit weg ist.

Sinnvolle Kombinationen aus Gegenständen und Aktionen sind hier der Schlüssel zum Erfolg, gedankenloses Herumprobieren wird hingegen auch schon mal bestraft.

Das macht übrigens dann auch einen der Reize des Spiels aus: Die Aktionen der Spieler haben eine spürbare Auswirkung, sie sind praktisch immer bedeutsam. Aus diesem Grund funktioniert das Spiel übrigens auch hervorragend als nicht-kompetitives Erzählspiel, bei dem jeder Spieler wirklich nur seine eigene Geschichte entdeckt.

Die Marker für interessante Punkte sind hochwertig gefertigt und sehen schön aus.

Die App

Ohne App ist das Spiel nicht spielbar. Dazu mag man stehen, wie man will, ein Grundproblem ist dabei natürlich immer die Haltbarkeit eines Spiels in der weiteren Zukunft. (Mit diesem Thema habe ich mich in einem früheren Blog bereits einmal auseinander gesetzt. Siehe hier: Spiele mit App-Anbindung: Wie gut sind sie wirklich?)

Als Gerät, auf dem die App läuft, benötigt man ein Tablet oder Smartphone, je größer das Display ist, desto übersichtlicher gestaltet sich die Handhabung. Aber auch auf einem normalen Smartphone läuft die Spiele-App einwandfrei.

Zum Ausprobieren auch gleich mal der Link zum App-Download, kostenlos:

Google-Play-Store Download

Die App ist für das Spiel perfekt programmiert, einfach zu bedienen und die Oberfläche sieht auch ästhetisch sehr schön aus.

Die Szenario-Einleitung wird von einem professionellen Sprecher in der App vorgetragen, alle weiteren Texte müssen die Spieler dann selbst vorlesen. Am besten liest dabei jeder Spieler eben jene Teile vor, die seine eigenen Aktionen betreffen, bzw. die Story-Elemente, die er selbst ausgelöst hat; man kann sich in der Gruppe aber sicher auch auf einen „Spielleiter“ einigen, der die Texte dann für alle vorliest.

Alle Informationen im Spiel sind immer für alle Spieler gleichzeitig verfügbar und zugänglich. Die einzige Ausnahme hier bilden, wie gesagt, die persönlichen Charakterziele, also die Destinies, die jeder Spieler auf der Rückseite seiner gewählten Charakterkarte findet.

Interaktionen von Spielfeld und App finden auf mehrere Arten statt:

Tippt man auf einen Point-of-Interest, so erhält man ein Auswahlmenü: Was will man machen?
  • Im Interaktionsmenü können manche Möglichkeiten einfach angeklickt werden und zeitigen dann ein Ergebnis. (einfache Aktionen)
  • Für viele Aufgaben und Vorhaben verlangt die App Proben um sie zu lösen. Dazu werden dann die Würfel geworfen, die den Spielern zur Verfügung stehen, um zu sehen, wie viele Erfolge für eine Probe erreicht werden (dazu gleich mehr). Das Ergebnis teilt der Spieler der App mit und dann erfährt er, was weiter passiert.
  • Will man einen Gegenstand verwenden, dann kommen die auf den Gegenstandskarten aufgedruckten QR-Codes ins Spiel. Möchte man etwa der App mitteilen, dass man wie im erdachten Beispiel ein Schwert an einer Schlucht benutzen will, dann scannt man dazu einfach den QR-Code auf der Karte mit dem Schwert, und die App antwortet mit einem Ergebnis für die Aktion, was in unserem Beispiel etwa folgendermaßen lauten könnte: „Du wirfst das Schwert in die Schlucht und wunderst dich, dass nichts weiter passiert. Legen den Gegenstand ab.“
  • Zuletzt kann man NSCs nach allem Möglichen befragen, vor allem auch nach dem eigenen Schicksal. Auf diese Weise sammelt man durch Fragen Hinweise, die helfen können, das gewählte Spielziel zu erreichen. Auch dazu wird wieder einfach der entsprechende QR-Code auf der eigenen Charakterkarte gescannt und man erhält Antwort. Da jeder Charakter zwei mögliche Ziele verfolgen kann, sollte man auch hier unbedingt nachdenken, bevor man seine Fragen stellt, und dann auch den richtigen, entsprechenden Code von der Charakterkarte scannen.
Charakterkarte mit 2 QR-Codes, Gegenstandskarte mit einem (dazu eine Sonderfähigkeit und ein Geldwert)

Würfel, Erfolge und Aufleveln

Damit das Spiel nicht nur ein reines Point-and-Click-Adventure auf dem Tablet bleibt und das Spielfeld mit Karten und Miniaturen und Gegenständen auch einen Sinn außerhalb der App erhält, kommt das wunderschön und praktisch gestaltete Spielertableau mit seinen Aussparungen für Würfel und Erfolgszählmarker ins Spiel.

Wie bereits erwähnt müssen für jede Probe Würfel geworfen werden. Dafür erhält jeder Spieler zwei weiße Charakterwürfel und drei lila Anstrengungswürfel. Die Charakterwürfel werden immer und bei jeder Probe geworfen, die Anstrengungswürfel kann man dann wahlweise dazu nehmen, um die Probe eher zu bestehen; die Anstrengungswürfel werden dadurch aber verbraucht. Immer zu Beginn einer neuen Runde erholt man nur genau einen einzigen dieser Anstrengungswürfel, sie sind also ein rares und wertvolles Gut im Spiel und wollen mit Bedacht eingesetzt werden.

Sind die Würfel geworfen, dann werden als nächstes die erzielten Erfolge bestimmt, und das geschieht nun mit Hilfe des Spieltableaus.

Das Tableau wird zu Spielbeginn aufgebaut nach Anweisung der App: Marker gesetzt, Gegenstand, Geld, Würfel und Charakterkarte sind bereit.
Die App weist die Spieler zu Beginn genau an, wie sich ihren Charakter vorbereiten sollen, bevor es los geht

Dieser Punkt bietet interessante Entscheidungen und macht damit einen wesentlichen Teil des Spiels aus:

Bereits beim Spielaufbau weist die App die Spieler genau an, auf allen drei Leisten des Spieltableaus entsprechend ihrer Charaktervorgaben die kleinen runden Holzmarker einzusetzen, welche jeweils den Schwellenwert angeben, ab dem ein Würfelwurf bei einer Probe auch einen Erfolg produziert.

Die Würfelzahlen werden nach dem Proben-Wurf zusammen gezählt und die Summe wird dann mit der relevanten Leiste verglichen (blau: Intelligenz, grün: Geschicklichkeit, rot: Stärke). Je höher nun das Wurfergebnis ist, desto besser, denn jeder Holzmarker auf der Leiste, der innerhalb des Wurfergebnisses liegt (auf den Positionen von 1 bis 12), zählt als Erfolg.

Ein Beispiel: Auf der Intelligenz-Leiste befinden sich Marker wie im Bild bei 5, 7, 11 und 12. Ein Wurfergebnis von 9 bedeutet damit 2 Erfolge, denn 5 und 7 sind in 9 enthalten: Nach dem Wurf teilt man der App die 2 Erfolge mit und erhält ein Ergebnis.

Entscheidet man sich für eine Probe, dann muss gewürfelt werden. Das Ergebnis teilt man dann wieder der App mit.

Durch erfolgreich bestandene Aufgaben im Spiel bringt man die Story voran.

Außerdem aber kann man durch bestandenen Aufgaben nun genau diese Marker auch weiter verbessern, und das funktioniert folgendermaßen:

Der Spieler erhält einen Erfahrungspunkte-Marker, der es ihm in weiterer Folge erlaubt, zwei beliebige Holzmarker um je ein Feld (oder einen um zwei Felder) nach links zu versetzen. Es will wohl überlegt sein, ob man lieber seine ganz hohen Marker etwas nach unten zieht, um die Möglichkeit zu steigern auch mal drei oder gar vier Erfolge zu schaffen, oder vielleicht lieber doch die niedrigen Marker noch weiter zu verbessern um zumindest einfache Erfolge mit etwas mehr Sicherheit zu erzielen?

Das macht richtig Laune, hier zu tüfteln und sich zu verbessern.

Abschließende Gedanken

Das Spiel fühlt sich im besten Sinne an wie die Adventure-Games, die die älteren von uns in ihrer Jugend auf den PCs der 90er Jahre gezockt haben. Viel Story, etwas herumprobieren, Schwierigkeiten überwinden und Entscheidungen treffen, die die Geschichte voran bringen.

Dabei ist nicht nur die App, sondern auch die haptische Komponente hervorragend gelungen.

Das Spiel sieht nicht nur schön aus auf dem Spieltisch, vor allem die Karten und das Spielertableau sorgen für eine Übersicht und ein Spielgefühl, das ein Computerspiel allein nicht liefern kann.

Die Stories sind umfangreich, es ist praktisch unmöglich, alle Pfade in einem ersten Spiel kennen zu lernen. Ich kann nicht sagen, wie oft man das Spiel spielen kann, bis man es zu gut kennt, um noch Neues zu entdecken. Aber sowohl die vielen Charaktere im Spiel, die alle unterschiedliche Stories verfolgen, als auch die vielen Kartenteile, die ich bei meinem ersten Durchlauf noch nicht aufgedeckt habe, machen einen hohen Wiederspielwert aus.

Allein die Geschichten selbst sind nicht so wahnsinnig aufregend und neu. Destinies wartet mit bekannten Monstern und Gegnern aus dem Bereich der Fantasy auf, die Designer erfinden hier das Rad nicht neu. Das macht das Spiel aber auch für Einsteiger zugänglicher, und das kann man durchaus auch in der Plus-Spalte verbuchen.

Überhaupt ist Destinies nicht nur für erfahrene Spieler ein schönes Erlebnis. Gerade für Leute, die noch nicht so tief in die weite Welt der Dungeon-Crawls, Magie- und Rollenspiele vorgedrungen sind, stellt dieses Spiel einen guten Einstiegspunkt dar.

Von mir gibt´s jedenfalls eine absolute Empfehlung.


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