Machi Koro – Legacy

Lese Zeit: 7 Minuten

Falls Ihr es noch nicht kennt, hier gleich vorweg meine wärmste Empfehlung für das kleine, feine Kartenspiel Machi Koro! Es ist ein einfaches Spiel für 2 bis 4 Spieler, das nicht nur – aber auch – der jüngeren Generation viel Freude bereitet.

Wir bauen in Machi Koro eine Stadt aus Karten, wobei anfangs jeder die gleichen Startkarten besitzt, zu denen er im Verlauf der Partie aus dem gemeinsamen Vorrat immer mehr Karten kauft. Der Würfelwurf am Anfang des Spielzuges bestimmt das Einkommen, mit dem besagte Karten erworben werden. Ziel ist es, die drei Aufgabenkarten, die jeder Spieler vor Spielbeginn bekommt, als erstes zu erfüllen: dadurch gewinnt man die Partie.

Das Spiel läuft schnell, es wird nie langweilig, und erst langsam, dann immer schneller kommt die eigene Maschine in Gang, die man sich im Spielverlauf aufbaut. Bessere Gebäude bringen mehr Geld, wenn die richtige Augenzahl auf den Würfeln erscheint. Manche Karten sorgen dafür, dass man Geld von Gegenspielern erhält, was diese ein wenig ärgert und einem selbst zugleich diebische Freude bereiten kann.

Nach zwanzig Minuten steht der Gewinner fest und man hat etwas geschaffen: nämlich eine Stadt. Und wenn man nicht selbst der Gewinner ist, so hat man zumindest relativ schnell verloren und kann sofort eine Revanche verlangen. Denn beim nächsten Mal muss es mit neuer Strategie und etwas Glück einfach besser laufen!

Die Kombination aus Würfelglück und Planung macht das Spiel mittlerweile zu einem Klassiker unter den Casual Games, die Nominierung zum Kritikerpreis im Jahr 2015 im Rahmen des Spiels des Jahres kam nicht von ungefähr.

Wie gesagt, das Spiel eignet sich für alle Altersgruppen. Und wer Zivilisationsaufbauspiele etwa auf dem Tablet oder dem Computer spielt, fühlt sich hier sowieso zu Hause.

Darf es etwas mehr sein?

Wenn man Machi Koro eine Weile gespielt hat, kennt man irgendwann die Karten und ihr Zusammenwirken. Damit es dann nicht langweilig wird und man sich von der kleinen Schachtel abwenden muss, hat Kosmos eine zweite Schachtel im gleichen, kleinen Format auf dem Markt gebracht: die Großstadt-Erweiterung.

Dabei handelt es sich eigentlich sogar um zwei Erweiterungen in einer Box, und diese erweitern das Spiel auf vielfältige und unkomplizierte Weise.

Erweiterung Nummer 1, die Hafen-Erweiterung, bringt – wie der Name schon sagt – Häfen ins Spiel. Dazu noch allerhand Schiffe, einen Blumenladen, eine Sushi-Bar und so weiter. Außerdem gibt es neue Aufgaben zu erfüllen: So kann jetzt etwa auch ein Flughafen gebaut werden.

Erweiterung Nummer 2 enthält sogenannte Spezialkarten. Die Sondereffekte dieser Karten sind etwas komplexer – so können etwa Unternehmen in der Stadt nun auf Urlaub gehen – eine lustige Idee! Für Spielspaß ohne Ende ist also gesorgt.

Die Großstadt-Erweiterung: 2 in 1!

Insgesamt ist die Erweiterungsbox einfach gut gelungen und eigentlich ein Muss für jeden, dem Machi Koro gefällt, der aber das Gefühl hat, nicht mehr genug aus dem Grundspiel herausholen zu können.

Machi Koro – Legacy

Und jetzt also Städtebau im Legacy-Format?!

Ich hatte das Spiel lange schon auf dem Schirm, es kam bereits 2019 auf den Markt. Außerdem interessiert mich das Legacy-Format grundsätzlich, und so habe ich auf der Spielemesse in Essen dieses Jahr die Box endlich erstanden!

Und jetzt haben wir das Spiel auch durchgespielt!

Spielinhalt: Machi Koro Legacy

Was ist Legacy eigentlich?

Als Legacy-Spiel bezeichnet man Spiele, die eine fortlaufende Geschichte erzählen, gespielt über mehrere aufeinander aufbauende Einzelpartien, wobei das Ergebnis jeder einzelnen Partie den weiteren Spielverlauf beeinflusst.

Der eigentliche Spielfortschritt wird häufig durch ein „Legacy“-Kartendeck erzählt, wobei man immer nur eine bestimmte Anzahl von Karten zieht, welche die aktuelle Story vorantreiben und zugleich oft neue Regeln bzw. leichte Regeländerungen und -erweiterungen ins Spiel einführen.

Auf diese Weise werden die Spiele im Laufe der Partien immer komplexer, eine Geschichte entfaltet unter Zutun der Spieler, und jeder Sieg und jede Niederlage ist von Bedeutung.

Zwei Eigenschaften heben Legacy-Spiele aber besonders von anderen Spielen ab:

  • Im Laufe einer Partie kommt immer wieder neues Spielmaterial hinzu, es wird aber auch Spielmaterial zerstört! Bei manchen Spielen wird man etwa aufgefordert, Karten zu zerreißen…

Daraus folgt:

  • Legacy-Spiele sind per se nicht wiederspielbar.

Mache Legacy-Spiele entlassen die Spieler am Ende der Kampagne etwa mit einem individuell modifizierten Spielbrett, das von nun an als eigenständiges Spiel weiterverwendet werden kann (z.B.: Charterstone von Stonemaier Games), andere wiederum sind am Ende durchgespielt und das war es dann auch. (Pandemic Legacy ist hierfür das wohl prominenteste Beispiel: Einen Spielbericht zu Season 2 dazu findest Du übrigens hier.)

Jetzt aber wirklich: Machi Koro Legacy

Machi Koro Legacy gehört in jene Kategorie von Legacy Spielen, bei denen am Ende auch tatsächlich ein Spiel übrigbleibt. Das ist schon mal eine gute Nachricht. Außerdem wird kein Material zerstört, man sitzt also nicht irgendwann mit Tränen in den Augen da, weil man die falschen Karten zerrissen hat.

Sticker werden aufgeklebt, neue Karten und neues Material kommen nach jeder Partie dazu, und eine kleine Geschichte entspinnt sich ebenfalls im Laufe der Zeit.

Gespielt werden insgesamt zehn Kapitel, wobei für jedes Kapitel etwa eine halbe Stunde eingeplant werden sollte.

Die Story selbst gibt allerdings nicht viel her, vor allem nicht, wenn man schon andere Legacy-Spiele gespielt hat. Für Kinder mag die Geschichte vielleicht reichen, aber Jugendliche und Erwachsenen werden eher enttäuscht sein.

Andererseits erhöht sich der Komplexitätsgrad erstaunlich schnell zwischen den Partien. Die Aufgaben wechseln, und vor allem kommen immer wieder neue Karten und weiteres Spielmaterial und damit auch weitere Mechaniken hinzu, sodass man tatsächlich immer aufpassen muss um nicht den Überblick zu verlieren. In diesem Punkt zeichnet sich Machi Koro Legacy leider weniger geeignet für Kinder aus.

Ein Haupt-Problem aber besteht meiner Meinung nach in einer kleinen, aber wichtigen Regel, nämlich in der Wahl des Startspielers für die jeweils folgende Partie. Es fängt nämlich immer der Spieler an, der die letzte Partie gewonnen hat. Da das Spiel immer sofort endet, sobald ein Spieler alle drei Aufgaben gelöst hat, ist der Startspieler hier immer im Vorteil. Und dieser Vorteil summiert sich leider im Laufe mehrerer Partien, sodass man nach einer Reihe verlorener Spiele einfach keinen Fuß mehr auf den Boden kriegt.

Das Problem lässt sich natürlich mit einer Hausregel beheben, indem einfach der Gewinner gerade nicht die nächste Partie anfängt, aber da muss man erst einmal drauf kommen…

Das noch größere Problem aber stellt eine Karte dar, die dem Spieler bei einer bestimmten Augenzahl einen weiteren Zug gewährt. Wenn die Würfelgötter es wollen, kann es hier zu einer Kettenreaktion kommen, die eine Reihe von Zügen für den Spieler an der Reihe auslöst, und wieder ist der Abstand schlagartig so groß, dass die Gegner keine Chance mehr haben.

Die explodierende Komplexität ist dann tatsächlich ein weiteres Manko bei dem Spiel. Dabei mag es sein, dass ich auch einfach nur schlecht spiele, aber es ist mir persönlich tatsächlich ab der Hälfte der Kampagne immer schwerer gefallen, alle Regeln auf dem Schirm zu behalten und dann auch noch die ständig sich ändernden relativen Kartenwertigkeiten richtig einzuschätzen.

Die Fähigkeit, gute Kombos zu bilden und schnell Synergien erzeugen zu können, ist der Schlüssel zum Erfolg bei Machi Koro, aber wenn ständig neues Material dazu kommt, das die bekannten Synergieeffekte verändert, wird es schnell schwer, sich auch darauf einzustellen.

Und hat man sich am Ende der Partie dann endlich einen Plan, wie man die zur Verfügung stehenden Karten wirklich zu seinem Vorteil nutzen kann, kommen schon wieder neue Karten hinzu und verändern das Gefüge.

Fazit

Ehrlich gesagt, für meine bessere Hälfte war das Spiel ein Spaziergang, sie hat neun von zehn Partien gewonnen. Aber für mich war es die Hölle, ich war zunehmend frustriert.

Mag sein, dass ich einfach zu langsam bin, aber ein wenig Würfelpech, ein paar kleine Fehler, und schon ist man chancenlos hinten. Das hat mir wirklich keinen Spaß gemacht.

Dabei mag ich Machi Koro! Und das ist es auch, was am Ende für mich übrigbleibt. Ich werde das Spiel weiterhin spielen, jetzt vielleicht auch mit den neuen Komponenten, die in der Legacy-Box hinzugekommen sind. Aber wo ich jedem das ursprüngliche Machi Koro mit der Großstadt-Erweiterung wärmstens ans Herz lege, rate ich ebenso energisch von dieser Legacy-Variante ab!

Denn das hat Machi Koro nicht verdient.


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