Star Scrappers: Orbital

Lese Zeit: 6 Minuten

1-5 Spieler, 60 Minuten, ab 10 Jahren

Hexy Studio 2021, Desiner: Jacob Fryxelius


Irgendwo in den weiten der uns bekannten Galaxie errichten wir ein Orbital, mit dessen Hilfe wir wertvolle Minieralien ab- und unsere eigene Organisation aufbauen.

Setting

Im Regelbuch erzählt uns die Einleitung, dass die Menschen vor tausenden von Jahren zu den Sternen ausgewandert sind. Sie sind nun bekannt als die vielseitige Rasse der Terrons, die offenbar auf den Bau von Orbitalen spezialisiert ist.

Das Spiel teilt sich seine Welt mit Star Scrappers: Battledrill (2020), einem Miniaturen-Skirmisher für 2 Personen, und Star Scrappers: Cave-in (2018), einem Brett-Spiel, in dem die Spieler nach dem wertvollen Metall Hexis schürfen.

Mehr als dass es in diesem Universum spielt, ist in Bezug auf das Spiel allerdings nicht weiter erwähnenswert. Es handelt sich tatsächlich lediglich um Fluff (ausschmückendes Beiwerk).

Orbitale

Star Scrappers: Orbital ist ein Aufbauspiel, bei dem wir als Spieler versuchen, von unserem ursprünglichen Start-Modul ausgehend eine möglichst große Raumstation zu errichten.

Dies geschieht mit Hilfe von Karten, die wir Luftschleuse an Luftschleuse aneinander anlegen können: Jedes Modul hat dabei einen Eingang und null bis drei Ausgänge, außerdem eine Sonderfunktion und eine Farbe. Und jedes Modul kostet Geld: Basiskosten 6 Mega Credits.

Die Farben bestimmen zunächst einmal die Zugehörigkeit des Moduls zu einer bestimmten Gruppe: Blau – Wissenschaft, Grün – Biologie, Rot – Kommando, Orange – Aufbau, Gelb – Ökonomie, Violett – Militär.

Wird ein neues Modul an ein bestehendes Modul gleicher Farbe angelegt, sinken dessen Kosten um 1 MC. Außerdem wird am Ende einer jeden Runde für die Zählung der Siegpunkte überprüft, wie viele Module einer einzelnen Farbe jeder Spieler gebaut hat.

Außerdem erhalten die Spieler noch kleine, süße Raumfahrer-Meeples, mit deren Hilfe man manche Sonderfähigkeiten auf den gebauten Karten nutzen kann.

Spielablauf

Das Spiel läuft über 5 Runden, wobei der Startspielermarker am Ende jeder Runde wandert. Die Spieler erhalten Handkarten, Startgeld, ein Start-Hub und einen Raumfahrer-Meeple, dann geht´s auch schon los.

Reihum darf jeder Spieler immer genau eine Aktion ausführen: eine Karte ausspielen, oder einen Arbeiter auf eine Karte setzen, um deren Effekt zu nutzen.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Karten:

Module, die einfach ans Orbital angelegt werden und dieses erweitern, und Events, die bestimmte Auswirkungen auf die Spieler und ihre Orbitale haben.

Vor allem die Events machen das Spiel interessant: Mit ihrer Hilfe kann man Arbeiter (Raumfahrer) klauen oder versetzen, Orbital-Module beschädigen, sein Einkommen kurzfristig aufpeppen und vieles mehr.

Kann ein Spieler in der aktuellen Runde keine Aktionen mehr durchführen, weil er entweder keine Meeples und Karten mehr hat, oder kein Geld, dann passt er. Haben alle gepasst, kommt es zur Aufräum- und Wertungs-Phase, in der die Anzahl der verschiedenfarbigen Orbitale verglichen wird und im Ergebnis Hexis (Siegpunktemarker) verteilt werden.

Gewinner ist am Ende des Spiels derjenige mit den meisten Hexis-Kristallen / Siegpunkten.

Herausforderung

Welche Entscheidungen trifft man als Spieler? Was sind die Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt?

Zuerst einmal geht es im Spiel um Ressourcen-Management. Für immer zu wenig Geld kann man nie genug Module bauen. Vor allem kann man nicht alle Module bauen, die man eigentlich braucht, um einen funktionierenden Master-Plan umzusetzen!

Die Entscheidung, was man macht, wir außerdem auch davon beeinflusst, was die anderen Mitspieler machen: Da Siegpunkte immer der oder die Spieler mit den meisten Modulen in der jeweiligen Farbe erhalten, muss man ständig überlegen, ob man auf bestimmte Farben lieber verzichtet und sich auf andere konzentriert, oder ob man vielleicht doch versuchen sollte die Gegner einzuholen, um deren Punktvorsprung in der jeweiligen Farbe eventuell noch zu negieren.

Module werden immer Luftschleuse an Luftschleuse gebaut.

Die eigene Kartenhand – mit einem Grundlimit von 5 Karten – schränkt hier die Möglichkeiten allerdings auch stark ein. Es werden zwar jede Runde 4 neue Karten gezogen und dann wird auf 5 Handkarten abgeworfen, ein wenig Flexibilität ist also vorhanden, aber letztlich kann man nur Module bauen, die man auch auf der Hand hat.

Da man allerdings immer nur eine einzige Aktion im eigenen Spielzug durchführen kann, kommt es kaum einmal zu langwierigen Denk-Blockaden: Das ist gut so. Die Handlungsräume sind begrenzt, die Möglichkeiten einfach und die Entscheidungen meist schnell zu treffen.

Das tut dem Spiel auf jeden Fall gut. Die Runden gehen flott von der Hand und die Spieler haben keine lange Down-Time, bis sie wieder an der Reihe sind.

Solo-Modi

Das Spiel enthält auch zwei verschiedene Arten von Solo-KI: eine friedliche und eine „weniger friedliche“

Die friedliche Variante ist die einfachere der beiden:

Alle Eventkarten werden aus dem Deck entfernt und zwei KI-Spieler werden durch die Rückseite des Start-Hubs dargestellt, auf dem die 6 Farbtabellen aufgezeichnet sind. Jede Runde, wenn man selbst seine Karten zieht, zieht man auch Karten für diese KI-Gegner: Die Farben, die man gezogen hat, erhalten diese auf den entsprechenden Leisten als „gebaut“ gutgeschrieben. Das ist auch schon die Vorgabe, die es in Bezug auf Siegpunkte zu schlagen gilt.

Solo-Variante gegen einfache KI-Gegner ohne Event-Karten

Die normale Variant ist die interessantere, sie verbraucht aber auch mehr Platz auf dem Spieltisch. Hier werden zwei gleichwertige Gegner ausgelegt und bei Rundenbeginn mit einem verdeckten Kartenstapel ausgestattet. Diese Karten werden der Reihe nach ausgespielt, wenn der jeweilige Gegner an der Reihe ist, und nach einem einfachen Schema baut jede KI so ihr Orbital aus. Auch Events kommen zu Tragen, was das Spiel abwechslungsreicher als die friedliche Variante macht.

normale Solo-Variante gegen 2 KI-Gegner

Gesamteindruck

Die Qualität der Komponenten ist sehr gut: Die Karten haben eine hochwertige Leinenbeschichtung, die Astronauten-Meeples sehen putzig aus und die Marker sind guter Qualitäts-Standard.

Das Regelheft ist dünn und schnell gelesen, hätte aber dennoch etwas übersichtlicher ausfallen können.

Auf dem Spieltisch wirkt das Spiel fast etwas zu bunt, wie ich finde. Die vielen Farben sind derart kräftig und dominant, dass das Thema des Orbitalbaus – die eigentlich schönen Zeichnungen auf den Karten – in den Hintergrund treten.

Ein kleines Problem kann der Platz sein, den das Spiel auf dem Tisch einnimmt: Bei einer so kleinen Spielschachtel mit den relativ kleinen Karten rechnet man erst einmal nicht damit, einen ganzen Esstisch für ein schnelles Solo-Spiel anzufüllen! Aber das Anlegen von Karte an Karte an Karte braucht tatsächlich eine Menge Platz, und da man im Vorhinein nicht wissen kann, in welche Richtung sich das eigene Orbital entwickeln wird, sind ausreichend Platzreserven auf jeden Fall nötig.

Für ein Spiel zu fünft reicht ein normaler Esstisch da wohl eher nicht aus.

Als Solo-Abenteuer oder als Spiel für 2-3 Spieler zwischendurch ist Star Scrappers: Orbital aber wunderbar geeignet. Es ist leicht zu lernen, erfordert keine tiefgreifenden Strategien, und dennoch muss man immer aufpassen, was die anderen Spieler so machen:

Und das ist eigentlich genau die richtige Menge Interaktion für so ein kleines Aufbauspiel im Weltall!


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